Vietnam und Kambodscha – ein Reisebericht

Meine Sachen liegen sortiert auf dem Bett, als ein Brief von TOUR VITAL kommt: In Vietnam sei es kühler als sonst – wir mögen doch zur Sicherheit wärmere Sachen einpacken. Ein netter Service, der unsere zweiwöchige Vietnam– und Kambodscha-Rundreise einläutet.

Tù, unser Reiseleiter nimmt uns in Hanoi in Empfang. Mit scharfem Ton und erhobenem Zeigefinger wird uns das Tagesprogramm erläutert. Zuerst ist der Jadebergtempel mit dem See des zurückgegebenen Schwertes zu besichtigen. Neben den typischen Altären, Figuren und Blumen ist dort eine uralte mumifizierte Riesenschildkröte zu sehen. Zwei weitere Exemplare sollen sich noch im See befinden.

Hanoi: Acht Gänge und Tausende von Mopeds

Mit der Rikscha werden wir durch die Altstadt chauffiert. Mein Chauffeur, ohne Zähne und ohne feste Schuhe, tippt mir immer wieder auf die Schulter wenn etwas Wichtiges zu sehen ist. Uns wird schlagartig klar, warum so viele Einheimische Mundschutz tragen. Eine Stadt voller Mopeds, Fahrräder, Gehupe, Staub, Dreck und Gestank. Frauen kochen hockend auf dem Bürgersteig. Nach einer Stunde auf der Rikscha sind wir angekommen im fernen Osten und sind froh, als es mit dem Bus zu unserer nächsten Station geht, dem Literaturtempel – das älteste noch erhaltene Architekturdenkmal von Hanoi. Der Tempel wurde 1070 als Universität gegründet und Konfuzius gewidmet. Zu Mittag gibt es unser erstes Acht(!)-Gänge-Menü. Wir fühlen uns dennoch nicht vollgefressen, sondern angenehm satt. Danach das Ho-Chi-Minh-Mausoleum. Es ist eine gepflegte, blumengeschmückte Anlage mit einem militärisch bewachten Betonklotz.

Vietnamesische Wasserpuppen

Vietnamesische Wasserpuppen

Am Nachmittag checken wir in unserem Hotel „Hoabinh“ ein. Viel Zeit bleibt uns nicht, denn um 17 Uhr beginnt die Vorstellung im Wasserpuppentheater. Wir werden musikalisch von einem kleinen Orchester begrüßt, das die ganze Aufführung begleitet. In einem Wasserbecken stehen hinter einem Vorhang aus geflochtenem Bambus die Akteure, die die auf drei bis vier Meter langen Stangen montierten Wasserpuppen handhaben. Die Stangen befinden sich unterhalb, die Puppen über der Wasseroberfläche. Die beweglichen Gliedmaßen werden mit Seilzügen gesteuert. Dargestellt werden Szenen aus dem Landleben, der Kultur und Religion des Landes.

Halongbucht: Reisfeldgräber und ein lauer Sturm

9.00 Uhr: Abfahrt zu Halongbucht. Ein Mitreisender putzt das Busfenster mit Brillenputztüchern, damit ich fotografieren kann. Der Busfahrer sieht es und putzt beim nächsten Stopp gleich alle Fenster – schon wieder so ein spezieller Service. Tù erzählt immer wieder Geschichten aus dem Leben in Vietnam. Etwa, dass die Menschen hier nur sechs Quadratmeter Wohnfläche haben und dass Familien mit mehr als zwei Kindern mit Benachteiligungen rechnen müssen. Uns fällt auf, dass an den Ecken der Reisfelder Grabstätten angelegt sind. Hier werden die Menschen auf den Feldern begraben, wenn die Friedhöfe voll sind, oder die Leute die Bestattung nicht bezahlen können. Gegen Mittag kommen wir in Halong an. Tù sagt uns, dass die Bootsfahrt ausfällt, weil es zu stürmisch ist. Es ist aber herrlicher Sonnenschein, und es weht nur ein laues Lüftchen. Alle Schiffe sind im Hafen. Aus uns nicht verständlichen Gründen darf heute niemand hinausfahren. Den Nachmittag verbringen wir erst im Grand Halong Hotel, später am Strand und auf dem Markt.

Halongbucht zum Zweiten und der Kaisertempel in Hue

Halongbucht bei Sonnenuntergang

Halongbucht bei Sonnenuntergang

Unsere Bootsfahrt in der Bucht wird nachgeholt. Die Felsen sind mit morgendlichem Dunst umgeben. Eine bunt beleuchtete Tropfsteinhöhle wird um 8 Uhr besichtigt. Zurück  geht es nach Hanoi. Weiterflug nach Hue. Dort regnet es wieder. Die kaiserliche Zitadelle und der Tempel erzählen von längst vergangenen Zeiten, auch wenn das UNESCO-Weltkulturerbe einen etwas verfallenen Eindruck macht. In diesem Zentrum des buddhistischen Mönchstums werden noch heute junge Burschen zu Mönchen ausgebildet. Auf einer Tafel lesen wir den Tagesplan der Mönchschüler, der täglich um 3.30 Uhr beginnt. Die Jungen haben alle einen kahlrasierten Schädel mit einem überlangen Pony, den sie sich hinters Ohr klemmen.

Anschließend genießen wir eine Bootsfahrt auf dem Parfümfluss. Die Ufer des Flusses sind zur Blütezeit mit stark duftenden Bäumen gesäumt. Es ist dunkel draußen und auf dem Boot versuchen uns Einheimische Seidenkleidung und Holzspielzeug zu verkaufen. Mit dem Boot ankern wir direkt bei unserem „Huong Giang Hotel“. Eine Stunde Zeit, um uns für unser kaiserliches Mahl vorzubereiten. Ein Paar unserer Reisegruppe wurde von Tù ausgewählt, das majestätische Paar zu spielen, und alle Mitreisenden ziehen ein Kostüm an. Das Essen ist mit liebevoll geschnitztem Rettich und Möhren verziert. Junge Mädchen musizieren für uns.

Hoi An im Zeichen des Handwerks

Weiterfahrt nach Danang. Die Besichtigung der kaiserlichen Zitadelle und des Königsgrabes von Tu Duc erfolgt mit ausführlichen Berichten von Tù. Es regnet immer wieder mal. Irgendwo essen wir Mittag und bei der Weiterfahrt nach Hoi An machen wir einen Stopp auf dem Wolkenpass. Wieder werden wir „Langnasen“ beim Aussteigen von Händlern und Bettlern belagert. Unterwegs machen wir eine Pause bei einem Räucherstäbchenhersteller und einem Steinmetz.

In Hoi An werden wir zu einer Seidenfabrik gefahren. Hoi An ist eine gut erhaltene Hafenstadt mit 75.000 Einwohnern und ein Ort, an dem das Handwerk blüht. In der Seidenfabrik überlege ich, ob ich mir ein Kleid maßschneidern lasse. Bei den ausgestellten Modellen ist zunächst nichts dabei, das mir zu 100 Prozent gefällt. In einem Katalog werde ich dann doch fündig. Den Abend verbringen wir in einem kleinen Restaurant auf der anderen Straßenseite des „Hoian Pacific Hotels“.

Japanische Brücke in Hoi An

Japanische Brücke in Hoi An

Wir besichtigen die hübsche Altstadt von Hoi An mit dem Phung-Hung Old Merchand Haus, der Quang-Dong-Versammlungshalle und der japanischen Brücke, bevor wir zum Stadtmarkt kommen. Nach einem leckeren Mittagessen steht der Nachmittag zur freien Verfügung. In einer Schuhmacherei bezahlen wir 25 $ für ein Paar maßgeschneiderte Schuhe und in einem Kosmetikladen gönnen wir uns eine Pediküre, die Männer sich eine Fußmassage. Abends feiern wir in bester Laune und Urlaubsstimmung.

Saigon und die Tunnel von Cu Chi

Flug nach Saigon. Endlich ist Sommerwetter. Gleich fahren wir weiter nach Cu Chi, um das Tunnelsystem und Kriegsmaterial zu besichtigen. Einige steigen in den Tunnel. Ein echter Vietcong erläutert allerlei Kriegsgerätschaften. Auf der Weiterfahrt sehe ich dann sein Gesicht in meinem Reiseführer. Nach dem Mittagessen auf einem Fluss geht es zurück nach Saigon zum Besuch des Postamtes, der Kathedrale Notre Dame, der Staatsoper und des Rathauses. Ein riesiger Markt steht auch noch auf dem Plan. Beim „Vien Dong Hotel“ ist so viel Verkehr, dass das Hotelpersonal die Straße sperrt, um uns ins Hotel zu bringen. Am Abend schauen wir uns den Hafen an, essen in einem kleinen Restaurant und schlendern durch die Gassen. Es herrscht eine schockierende Armut: Auf dem Bürgersteig sehen wir schlafende Kinder auf Klappliegen.

Abfahrt zum Mekongdelta. In My Tho steigen wir in ein Boot und fahren vorbei an Stelzenhäusern, etlichen schwimmenden Händlern, Fähren und privaten Booten. Wir halten zur Besichtigung einer Kokosnuss-Süßigkeitenfabrik. Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit werden dort die Bonbons von Hand eingewickelt. In einem Obstgarten werden Früchte verkostet. Handwerker lassen sich über die Schultern schauen. Mit Ruderbooten werden wir über einen kleinen Seitenkanal wieder zu unserem Boot  gebracht. Nach dem Mittagessen geht es zurück nach Saigon, um eine Lackiererei zu besichtigen. In einem Restaurant haben wir Plätze reserviert und werden nicht enttäuscht.

Phan Thiet: Geschichten aus dem Wunderland und ein Top-Hotel

Buddhistischer Tempel in Phan Thiet

Buddhistischer Tempel in Phan Thiet

Weiterfahrt mit dem Bus nach Phan Thiet. Tù unterhält uns mit Geschichten über Land und Leute und über seine Zeit als Student im Wunderland DDR, wo er in Dresden Biophysik studiert hat. Er war Vorsitzender der vietnamesischen Studentenvereinigung in der DDR, zeigt Fotos von damals und ist Erich Honecker und anderen persönlich begegnet. Das Pandanus-Hotel begeistert uns: eine Hotelanlage, die dem internationalen Vergleich locker standhält. Eine schöne Poolanlage. Ein Strand mit Teakholzliegen. Und sofort kommt jemand angelaufen, um uns mit Matratzen und Handtüchern zu versorgen. Hier kann man entspannen. Ein schönes Zimmer, im Toilettenbecken schwimmen sogar Blüten. Der Hotelmanager lädt uns um 17 Uhr zum Empfang mit Wein und Käse.

Um 5.30 Uhr lassen wir uns wecken, denn wir wollen zum Fischmarkt radeln. Vor den Häusern auf der Straße frühstücken Familien. An den Strommasten sind Lautsprecher angebracht, aus denen die Nachrichten tönen. Die Leute sind mit den Fahrrädern oder Mopeds auf dem Weg zur Arbeit. Wir schauen uns am Strand das lautstarke Treiben der Händler und Marktweiber an. Ziemlich böse schreien sie sich an und werden mitunter auch handgreiflich. Wieder zurück im Hotel sind wir von dem Frühstück überrascht. Es gibt dunkles Brot und deutsche Wurst, sogar Leberwurst. Man merkt: Hier managt ein Deutscher. Nach einem Strandbesuch gehen wir nachmittags zu Fuß zu den Wanderdünen. Abends sind wir sandgestrahlt und haben einen leichten Sonnenbrand. Wir essen in einem Restaurant und tauschen unsere Erlebnisse aus.

Trotz einer eingefangenen Erkältung können wir den Tag genießen, bleiben aber lieber am Pool, da es am Strand ziemlich windig ist. Eine Stunde später gehen wir ins Restaurant und essen gemeinsam, was unsere Partner, die einen Kochkurs belegt haben, gekocht haben. Es ist alles sehr lecker. Die Köche werden fotografiert und bekommen am nächsten Morgen ihr Zertifikat.

Tage in Kambodscha voller Harmonie

Mit Tù fahren wir zurück nach Saigon, und nach dem Abschied fliegen wir weiter nach Siem Reap, wo uns der neue Reiseleiter Kong begrüßt. Wir müssen Millionäre sein, dass wir in so einem Hotel untergebracht sind. Alles vom Feinsten: die Lounge mit pompösen, geschnitzten Möbeln. Auf einem Podest sitzt ein junges Mädchen und spielt auf einem riesigen Xylophon sanfte Klänge. Wir bummeln durch die Straßen. Alles ist sauber und leise. Mopeds mit angehängten Rikschas versuchen, uns ihre Dienste anzubieten. In feinen Boutiquen wollen barfüßige Verkäuferinnen uns Krokodillederschuhe, Handtaschen aus Schlangenleder oder Rochenledergürtel verkaufen. Auf den Straßen stehen riesige Aquarien mit Putzerfischen. Touristen sitzen auf dem Beckenrand und lassen sich von den Fischen die Hornhaut von den Füßen knabbern.

Ein Tempel im Würgegriff und ein Büffet am Pool

Angkor

Angkor

Tempeltour: Wir beginnen sie mit dem berühmten, überwucherten Tempel Ta Phrom. Riesige Würgefeigen haben ihre Wurzeln und Äste um die Anlage gelegt und drohen den Tempel völlig zu zerstören. Die alte Königshauptstadt Angkor Thom mit der Elefantenterrasse und der Terrasse des Königs der Aussätzigen stehen auf dem Programm. Beim ersten Tempelberg in Phnom Baheng klettern wir bis auf die höchsten Tempelspitzen. In Angkor Wat sind bedeckte Schultern bei den Frauen und bedeckte Knie bei den Männern Pflicht. Zum  Schluss schauen wir uns noch einen Tempel aus  Ziegelsteinen an. In allen Anlagen begegnen uns Mönche mit orangefarbenen Gewändern. Für den Abend ist ein Buffet am Pool für uns vorbereitet und bei einer traditionellen Tanzshow mit Livemusik wird uns die kambodschanische Kultur nahe gebracht.

Tonle-Sap-See

Tonle-Sap-See

Heimreisetag. Bei einer Bootsfahrt zum Tonle-Sap-See erzählt uns Kong Geschichten über Land und Leute. Die Busfahrt geht vorbei an Stelzenhäusern, Entenfarmen und Wasserbüffeln. Bei einem Markt halten wir an. Kong verrät uns, was den Menschen hier wichtig ist. An erster Stelle steht der Besitz eines Fernsehers, dann kommt das Moped, dann das Handy und an vierter Stelle steht das Wasserklosett. Junge Mütter ziehen ihren Babies gerne die Nase lang, um ein europäisches Aussehen zu erreichen. Es gibt Schulpflicht, die nicht kontrolliert wird. Die Leute trinken Schlangenblut und essen angebrütete Eier, um ihre Potenz zu stärken. Bei der Bootsfahrt auf dem See sehen wir ein schwimmendes Dorf: Häuser, die Schule, die Schweineställe – alles befindet sich auf dem Wasser. Kinder rudern alleine in den Booten. Wir besichtigen eine Krokodilfarm. Überraschend, wie viele Eindrücke wir hier an unserem letzten Tag bekommen.

Zurück im Hotel gibt es ein feines, mehrgängiges Abschiedsessen. Wer will, kann am frühen Nachmittag noch eine Fahrt zu einer Handwerksschule machen, an der verschiedene Berufe erlernt werden können. Unter anderem lernen gehörlose Jugendliche das Kunstmalen. Nach einer Stunde am Pool beginnt unsere Heimreise um 17 Uhr – zuerst nach Hanoi und dann weiter nach Frankfurt.

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