Usbekistan: Ein Reisetagebuch

TOUR VITAL Reisende Imke war in Usbekistan unterwegs und berichtet von usbekischem Fladenbrot, Bazaaren und jeder Menge Moscheen.

Tag 1

Der Flug nach Taschkent ist mit ca. 6 ½ Stunden angenehm kurz. Wir landen nach Ortszeit abends und nehmen unser erstes usbekisches Abendessen zu uns, bevor wir ins Bett fallen.

Tag 2

Wir schauen uns heute ausführlich Taschkent an und beginnen mit der Moschee Minor, welche erst vor wenigen Jahren gebaut wurde. Weiter geht es zum Khast-Imam Platz mit einer Medrese aus dem 16. Jahrhundert, einer Moschee, Mausoleum und einer wichtigen, religiösen Bilbiothek. Der Mufti hat von diesem Platz aus „regiert“. Wir fahren nun zum Chorsu Bazaar und schlendern an den Marktständen vorbei. Unser Reiseleiter Azamat besorgt frisch gebackenes, usbekisches Brot für uns. Anschließend fahren wir ein paar Stationen mit der Metro. Vor dem Einsteigen werden unsere Taschen kontrolliert, aber zu Touristen sind die Sicherheitsleute besonders freundlich. Ausstieg ist am Parlament und Navoi Park. Navoi gilt laut Azamat als „usbekischer Goethe“. Zum Abschluss spazieren wir noch Taschkents „Broadway“ entlang, wo sich zahlreiche Künstler tummeln und Portraits malen. Beim Abendessen sehen wir unsere erste usbekische Hochzeitsgesellschaft, die einen Großteil des Restaurants für sich einnehmen und uns Live-Musik zum Essen bescheren.

Tag 3

Heute geht es früh los zum Inlands-Flughafen Taschkents, wo wir in eine Propellermaschine nach Nukus einsteigen. Nukus ist die Hauptstadt der Autonomen Republik von Karakalpakistan. Hier besuchen wir das Kunstmuseum Igor Savitzkys. Anschließend fahren wir durch die rote Wüste zum zoroastrischen Feuertempel von Shilpik Kala. Auf dem Tempel steht ein Wunschbaum, an den zahlreiche Taschentücher gebunden sind. Wir blicken auf einen der zwei Flüsse Usbekistans: den Amudarja. Er und der Syrdarja sind die zwei wichtigsten Zuflüsse des Aralsees. Es geht weiter nach Chiva, wo wir einen ersten Stadtrundgang bei Sonnenuntergang unternehmen. Wir besteigen die Kunya Ark-Zitadelle und können die ganze Stadt überblicken. Im Hotel Arkanchi gibt es später sehr leckeres Abendessen, u.a. Dill-Nudeln – die usbekische Kost kann sich sehen und schmecken lassen!

Tag 4

Chiva ist wirklich ein tolles Städtchen – es liegt westlich des Amudarja an der alten Seidenstraße und ist mit rund 55.000 Einwohnern sehr überschaubar. Das Innere der Stadtmauern mit den vier Stadttoren ist in wenigen Stunden besichtigt. Wir laufen vorbei am Kalta-Minor Minaret zur Juma Moschee mit ihren 213 Säulen aus Holz. In einer Teppichmanufaktur können wir den Frauen bei der Arbeit zusehen. Die Arbeiterinnen werden pro Quadratzentimeter bezahlt, aber lassen sich Zeit: Pro Tag arbeiten sie 4-5 Stunden konzentriert und so dauert ein Seidenteppich oft mehrere Monate. Weiter geht es zum Pahlavan Mahmud Complex, wo ein Volksheiliger begraben ist. Dort sehen wir wieder mehrere Hochzeitspaare, die vor dem Grab des Heiligen für eine gute Ehe beten. Die Hochzeitspaare werden meist begleitet von mehrköpfigen Filmteams und Fotografen, die Bräute tragen pompöse, weiße Kleider und blicken schüchtern auf den Boden, weil es sich am Tag der Hochzeit gehört, den Eltern zu zeigen, wie traurig sie sind, das Elternhaus zu verlassen.

Vor dem Abendessen fahren wir noch mit dem Fahrrad einmal rund um die Stadtmauern und schauen uns alle vier Stadttore an. Es ist noch ein wenig Zeit, sodass wir noch einmal losgehen und durch die ärmeren Viertel außerhalb der Stadtmauern laufen. Die Kinder rufen uns Dinge wie „Bonbon“, „Stift“ und „Pinsel“ zu, haben also scheinbar ein paar deutsche Wörter aufgegriffen. Für kleine Geschenke lassen sie sich auch fotografieren. Dennoch empfehle ich allen Fotobegeisterten eher in Chivas Altstadt auf die Suche nach Street Fotografie Motiven zu gehen, denn in den armen Vierteln sind alle Einwohner sehr misstrauisch und zurückhaltend.

Wir gehen mit Azamat essen, welcher uns in ein Restaurant führt, wo es typisch usbekische Teigtaschen mit Fleisch- oder Kürbisfüllung gibt. Die Zeit in Chiva ist definitiv zu schnell vorbei gegangen!

Tag 5

Richtung Bukhara fahren wir durch Urgentsch, eine typisch post-sowjetische Stadt, bevor es vorbei an Baumwollfeldern und kleinen, ärmeren Dörfern und Bauern hinein in die Wüste geht. Die Wüste ist bewachsen und wir sehen immer wieder verlassene, sowjetisch geprägte Tankstellen, aber passieren auch eine Betonmischerei für den Straßenbau sowie ein Unternehmen, das Erdgas abbaut.

In Bukhara angekommen machen wir uns frisch, bevor wir durch die Altstadt bummeln. Rund um den Labi-Hauz Komplex sehen wir wieder viele Brautpaare. Wir sehen uns noch in der Nadir Devon Begi Medrese um und setzen uns dann in die Sonne, um Postkarten zu schreiben. Im Hotel Malika gibt es wieder ein super Abendessen, diesmal mit Kebab.

Tag 6

Auch Bukhara können wir gut zu Fuß besichtigen, was uns sehr gelegen kommt nach der längeren Fahrt am Vortag. Wir schlendern durch die Bazaarzentren, zum Poikalon-Komplex, Kalon-Moschee und Minarett Kalon bis hin zur riesigen Ark Zitadelle. Von dort aus können wir auf die sowjetisch geprägten
Wohngebiete außerhalb der Altstadt runterschauen und sehen einen Übungsmarsch von Polizei und Militär. Es wird eine Gewürzteepause eingelegt, wo wir bspw. Ingwer- und Safrantee probieren und kleine Snacks serviert bekommen. Gestärkt fahren wir zum Naqshbandi Mausoleum, eines der Nationaldenkmäler Usbekistans. Danach schauen wir uns in der Altstadt noch die Tchor Minor Medrese mit ihren vier Minaretten an. Vor dem Abendessen haben wir Freizeit, die wir mal wieder auf den nahe am Hotel gelegenen Bazaaren verbringen. Das Abendessen ist wieder ein echtes Highlight: Wir essen auf der Dachterrasse des Restaurant Dolon, während die Sonne untergeht. Heute gibt es Schaschlik-Spieße und wie immer eingelegtes Gemüse und usbekisches Fladenbrot.

Tag 7

Es geht los in Richtung Jurtenlager! Auf dem Weg halten wir noch in Nurata, wo die heilige Quelle Chasma ist. Im Jurtenlager angekommen, gibt es Tee und ein kleines Mittagessen, bevor wir uns auf den Weg zum Aydarkul See machen. Ich stürze mich bei strahlendem Sonnenschein ins klare, weite Wasser! Nach einigen Tagen voller Kultur und Geschichte ist der heutige Tag eine schöne Unterbrechung. Das Abendessen am Lagerfeuer mit gutem Wodka und Gitarrenmusik ist natürlich der absolute Bonus des Tages. Selten habe ich unter einem so klaren Sternenhimmel gesessen.

Tag 8

Unsere letzte Station wartet auf uns: Samarkand. Dort besichtigen wir das Observatorium, das Antike-Museum und lassen uns in einer Papiermanufaktur den Herstellungsprozess von Papier zeigen. Der Nachmittag ist frei. Für den Abend steht ein Essen bei einer usbekischen Familie im Programm und die Überraschung ist groß, als Azamat uns in sein Elternhaus führt. Sein Vater kocht das Nationalgericht Plov für uns und wir haben einen wirklich tollen Abend! Auf dem Rückweg zum Hotel halten wir noch am Herz der Stadt: der Registan Platz. Diesen sollte man sowohl bei Tag als auch bei Nacht gesehen haben.

Tag 9

Wir besichtigen weiter Samarkand und sehen die Bibi-Chanum-Moschee, die Gräberstraße, das Gur-Emir-Mausoleum und kaufen anschließend auf einem Bazaar noch usbekische Gewürze als Mitbringsel. Es steht außerdem noch ein Besuch bei einer Familien-Brotbäckerei auf dem Programm, bevor wir unsere zusätzlich gebuchte Weinprobe antreten. Wir probieren Weißwein, Rotwein, Eiswein, Cognac und Balsam. Im Anschluss gibt es noch einmal den Registan Platz bei Tag. Übersetzt heißt der Platz „Sandplatz“, weil er an einem ausgetrockneten Flussbett lag. Nachmittags geht es dann mit dem Schnellzug Afrosiyab zurück nach Taschkent. Dies dauert nur 2 Stunden – statt 5 Stunden mit dem Bus. Nach einem entspannten Abendessen legen wir uns früh für ein paar Stunden ins Bett, bevor es zum Flughafen geht.

Eine ganz andere Reise geht zu Ende, wir haben furchtbar viel gesehen und gelernt. Das Essen war ein Traum und unser Reiseleiter Azamat ist uns richtig ans Herz gewachsen. Er hat uns so viel über das Leben der Usbeken erzählt, dass ich noch einen zweiten Bericht nur mit ausgewählten Fun Facts zu Usbekistan geschrieben habe. Hier findet ihr die Fun Facts.

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