Urlaub und Staatstrauer: Zeitzeugen des Todes Fidel Castros

Vom 23. November bis 6. Dezember 2016 erlebten wir die Zuckerinsel Kuba. TOUR VITAL schickte uns mit 21 Mitreisenden sowie Reiseleiter David und Fahrer Orlando auf eine 2.700 km lange Rundreise. Wir genossen die pure Lebensfreude der Kubaner, und dass wir von Arzt Dr. Esslinger und seiner Frau betreut wurden.

Reisegruppe

Nach unserem Flug mit Condor nach Holguin/Kuba kommen wir bei Dunkelheit um 18 Uhr im Hotel Santiago de Cuba an. Was fällt sofort auf? Königspalmen und Bananenstauden wiegen sich im sanften Wind. Es ist angenehm warm – so zwischen 25 und 30 Grad. Am Wegesrand sind nur kleine Dörfer, deren einfachste Häuser fast ausschließlich Flachdächer (meist aus Eternit!) haben. Die Dorfstraßen sind geschottert und haben keine Gehwege. Wir sehen wenig Menschen, kaum Fahrräder, wenige Autos, dafür aber Einspänner und uralte Fahrzeuge auf der Landstraße. Den Abend genießen wir auf der Hotel-Dachterrasse in Santiago de Cuba mit Mojito und wunderbarem Ausblick auf die Stadt mit ihren pastellfarbenen Häusern, den schmalen und steilen Straßen und den idyllischen Plätzen.

Sozialismus, Wirtschaftsreform und Staatstrauer

Kuba bietet sich an für sonnenhungrige und unternehmungslustige Urlauber, für Rum und Rumba, Sonne und Sozialismus. In der Revolution vertrieben Fidel und Raul Castro mit ihrem Freund Ernesto „Che“ Guevara und ihren bärtigen Helfern den Plakat Fidel CastroDiktator Fulgencio Batista, um eine gerechtere Gesellschaft zu etablieren: Reiche wurden enteignet, Bildung und ärztliche Versorgung gab es für jedermann kostenlos, Sexismus und Rassismus wurden bekämpft. Heute erlebt das Land Wirtschaftsreformen und nähert sich wieder der USA an. Und was noch? Auf Deutscher Welle hören wir, dass Fidel Castro am 25.11.2016 gestorben ist: Neun Tage Staatstrauer werden ausgerufen. Alle Flaggen auf Halbmast, kein Alkohol, keine Musik, kein Tanz!

Rundreise-Start in Santiago de Cuba

Am 24.  November 2016 besichtigen wir noch das Museum von Fidel Castro, wo die Revolution 1953 begann (dieser Volksaufstand scheiterte am 26.7.1953, Fidel Castro wurde zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt). Dort sind noch die Betten der beiden „Mädels“ (Revolutionärinnen) zu sehen und auch eine Singer-Nähmaschine. In Santiago de Cuba besichtigen wir die Casa de Velazquez, das Diego-Velazquez-Museum, ein koloniales Schmuckstück mit arabischer und maurischer Möblierung für den ersten Gouverneur Kubas (1515-1522). Im Erdgeschoss steht noch der Schmelzofen für erbeutetes Gold. Und dann vorbei an Straßenmusikanten (Wiege des Son!) in den fünften Stock des prachtvollen Hotels Casa Granda mit dem herrlichen Blick auf die Kathedrale und die Hafeneinfahrt zur Altstadt. Vom Balkon des gegenüberliegenden Rathauses hat Fidel Castro einst den Sieg der Revolution verkündet.

Tanzen in Bayamo

Auf der Weiterfahrt am 25. November 2016 nach Bayamo kommen wir auch an der Basilika El Cobre vorbei. Ein Pater spendet in Bayamoder Wallfahrtskirche reihenweise seinen Segen. Über dem Altar thront die Schwarze Madonna, Schutzpatronin Kubas, die Virgen de la Caridad del Cobre, die heilige Jungfrau des Kupfers und der Liebe, der man Wunderheilungen nachsagt. Sonnenblumen werden für die heidnische Liebesgöttin Ochun geopfert. Am Berghang gegenüber sieht man die Abraumhalden der Kupferminen.

„Liebe Genossinnen und Genossen, die Frauen sollten nicht so fleißig sein, sonst gehen die Zuckerrohr-Möbel kaputt“, erklärt Reiseleiter David. Hier ist sowieso Handarbeit angesagt und der Staat ist immer dabei. Er erinnert auch an das neu aufkommende private Kleingewerbe, an bunte Kleider, an Sonnenschirme, Taxis (allerdings mit Einheitspreisen) und Gastronomie. Anstatt Mittagessen gibt es etwas Neues: Schokohörnchen und Sekt! Und dann heizt uns eine Tanzband im Haus der Musik in Bayamo ein: Rumba, Mambo, Cha-Cha-Cha, Samba, Son und dazu Cuba Libre!!! Wer in der Wiege des Son geboren wird, läuft, spricht, atmet und tanzt im Rhythmus des Son, sagt man in Kuba (ein Lebenselixier). Man spielt ihn mit einer Gitarre, dem Tres (einer kleinen Gitarre), mit Kontrabass, Bongos, Maracas (Rumbakugeln) und Claves (Rhytmushölzchen).

25. November 2016: Tod Fidel Castros

Schlange für Fidel Castros Kondolenzbuch

Schlange für Fidel Castros Kondolenzbuch

Tags darauf am 26. November 2016 hören wir dann die Nachricht, Fidel Castro sei gestorben mit der langen neuntägigen Staatstrauer: Fidel Castro, der ewige Revolutionär und Befreier, der gefürchtete Diktator, der 47 Jahre regierte und zehn US-Präsidenten überlebte. Fidel, der sich für Kultur, Medizin für alle, Sport und Bildung einsetzte. Fast hätte er sein Land mit dem verarmten Volk in eine Katastrophe geführt…

Nach einem Blick auf das Theater bemerken wir auf dem Bauernmarkt die Auswirkungen der zwei kubanischen Währungen: die kubanische Devisenwährung CUC (1:1 zum €) und der kubanische Peso CUP (1:25 zum €). Mit CUPs kaufen die Einheimischen ein – zu sagenhaften Billigpreisen, gemessen am € – oder man bekommt dafür gar nichts. Also hilft nur Schwarzarbeit, die gut funktionierende Schattenwirtschaft. Viele verkaufen sich auch selbst, Kuba war jahrelang Ziel von Sextouristen. Abends sind wir dann in Camagüey mit seinen Kolonialhäusern, Läden und alkoholimmunen Restaurants und Cafes. Die Livemusik fällt aus.

Zentral-Kuba: Sancti Spiritus, Tal der Zuckermühlen und Trinidad

Am 27. November 2016 fahren wir bis Sancti Spiritus in Zentral-Kuba. Am nächsten Tag fahren wir in das „Tal der Zuckermühlen“, von denen es allerdings nur noch wenige gibt, das Valle de los Ingenios. Dort wird uns eine handbetriebene Zuckerrohrsaft-Presse vorgeführt. Nach einem Markt mit Textilien, Hemden, Decken, Blusen, Holzfiguren ersteigen wir im Valle San Luis den 50 Meter hohen Turm Torre de Iznaga, von wo wir einen wunderbaren Ausblick über die Landschaft des Tales haben. Von hier wurden die Sklaven bei der Arbeit auf der Zuckerrohrplantage überwacht.  Nachmittags kommen wir nach Trinidad, wo die Leute in langen Reihen zur Kondolenz Fidel Castros anstehen.

Warten auf Fidel Castros Urne

Warten auf Fidel Castros Urne

Wir besteigen in einem Stadthaus eines reichen früheren Zuckerrohrfabrikanten die Dachterrasse, um Trinidad von oben zu sehen. Wir lernen noch die typische Keramik-Kunst des Landes kennen und fahren dann „über Land“ zu der kleinen Insel Cayo Santa Maria am traumhaften Karibikstrand in der Ferienanlage „memoriesresorts.com“.

Der Traum von Cayo Santa Maria

Tags darauf gibt es dann außer „All inclusive“ am kilometerlangen Strand feinen, gepuderten, weißen Sand mit weiten, sanften warmen Wellen im tiefblauen Meer, leichten Brisen, Sonne im Überfluss, erfrischende Cocktails und Liegen mit Schatten spendenden Sonnenschirmen. Vorsicht Sonnenbrand! Masseure/innen sorgen für angenehme Wellness. Am Folgetag fahren wir weiter nach Cienfuegos. Unterwegs sehen wir den gepanzerten Zug aus der Zeit der Revolution und eine monumentale Bronzestatue des Revolutionärs Che Guevara, dessen Gebeine 1997 hier beigesetzt wurden. Im Hafen von Cienfuegos liegt bereits ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff. In der Stadtmitte säumen zigtausende Zuschauer und Fidel-Anhänger stundenlang die Straßen, um dem gegen 22 Uhr vorbeifahrenden „Spuk“ mit der in Glas abgedeckten Urne des Kommandante zu applaudieren: Hasta Siempre Commandante!!

Zapata-Halbinsel und Hauptstadt Havanna

Wir besuchen die größte Krokodilfarm des Landes und nach einer rasanten Motorbootsfahrt auch die Zapata-Halbinsel mit dem Havannarekonstruierten Indianerdorf Aldea Taina. Jeder mitfahrenden Frau händigt der Bootsführer eine schöne Seerose und jedem Mann eine gut riechende Zigarre aus. Wir fahren weiter nach Havanna, der Hauptstadt Kubas.

Und am 3.12.2016 begrüßt uns Reiseleiter David bereits mit „Liebe Sympathisanten der kubanischen Revolution.“ Auf der Tour Ernest Hemingway (Papa Hemingway 1898 – 1961) besuchen wir die Finca La Vigia, das ehemalige Haus und heutige Museum des berühmten Schriftstellers Ernest Hemingway am Rande der Stadt in San Francisco de Paula. Im historischen Stadtteil Havannas erleben wir elegante Pantomimen und natürlich zigarrenrauchende Models. Alle Getränke kosten drei CuCs, auch die Rum-Cocktails auf der Dachterrasse eines historischen Hotels am Parque Central, wo wir uns bequem zurücklehnen und die Aussicht auf das Kapitol und die Umgebung genießen.

Malerisches Vinales-Tal

Das Vinales-Tal ist eine der schönsten Landschaften der Insel, bekannt für seinen Tabakanbau und seine imposanten Mogotes (Karststeinfelsen). Von Oktober bis Mai schimmern zwischen ihnen silbriggrüne Tabakpflanzen in der Sonne. Auf den Feldern sieht man palmstrohgedeckte Bohios und die kleinen fensterlosen Tabakschuppen, in denen die Blätter getrocknet und fermentiert werden. Ein Tabakbauer zeigt uns die Tabakblätter und die Zigarrenherstellung (Deckblatt-, Umblatt- und Einlagetabake) und den Vertrieb, an dem sich auch die Regierung beteiligt. Beim Namen „Vuelta Abajo“ schlägt das Herz eines jeden Zigarren-Liebhabers höher. Hier wächst der beste und teuerste Tabak der Welt.

Oldtimerfahrt in Havanna

Oldtimerfahrt in Havanna

Oldtimer-Fahrt durch Alt-Havanna

Den letzten Tag erleben wir bei einer Oldtimer-Fahrt mit einem Chevrolet aus den 50er-Jahren in weichen Ledersitzen durch Alt-Havanna, wo wir im Park auch neben „John Lennon“ Platz nehmen. Und bevor wir einchecken verrät uns Reiseleiter David noch, was einen echten Kubaner ausmacht: ein Schwein, eine Machete, ein Fahrrad und ein Schaukelstuhl. „Kommt mal wieder …“ Auf der Rückfahrt zum Flugplatz tanzen wir nochmals in einer Bar zu heißen Rhythmen von Conga-Trommlern mit Rumba, Son,…

Schließlich kommen wir wieder mit vielen guten und neuen Eindrücken nach Hause.

Kommentare sind geschlossen.