Südamerika – ein Reisegedicht

Für unseren dichtenden Reisearzt Dr. Emons ging es in diesem Jahr nach Südamerika. Wie schon nach seinen Aufenthalten in Namibia und Indien stellt er uns seine Beobachtungen und Eindrücke in Form eines kreativen und beeindruckenden Reisegedichtes vor. Viel Spaß beim Lesen!

 

In Deutschland wurde es wärmer, der Sommer war nah.

Ich will mal wieder verreisen, wurd´ mir schnell klar.

Wohin fliegt man im Juni, hab ich Google gefragt,

am besten Richtung Westen, hat mir mein Laptop gesagt.

 

Ich nahm den TOURVITAL-Katalog in die Hand.

Ich brauchte nicht lange, bis ich diese Reise fand.

Ich beschloss, diese Südamerika-Reise, das ist mein Ziel,

hier gibt es Schönes zu sehen, und davon recht viel.

Bevor ich dann noch lange weiter gesucht,

habe ich bei TOURVITAL diese Reise gebucht.

 

Der Flug begann im Mai in Frankfurt am Main,

hier stieg die Gruppe in das Flugzeug nach Spanien ein.

Madrid war das Ziel, recht spät in der Nacht,

wurden wir dort zum Flug nach Lima gebracht.

 

Dann begann der Stress, 12 Stunden in der Nacht

wurden wir im Direktflug nach Lima gebracht.

Wir stiegen Ortszeit morgens aus dem Flugzeug aus,

nicht jeder von uns sah komplett ausgeschlafen aus.

 

Die Koffer kamen an, der Zoll war kein Problem,

und schon konnten wir den Reiseleiter auf uns warten seh`n.

Es war eine Frau, sie wurde Isabel genannt,

Lima und Umgebung waren ihr bestens bekannt.

Sie war in Lima geboren und lebte auch hier,

sie sprach ein perfektes Deutsch, das gefiel uns an ihr.

 

Auf der Fahrt durch San Isidro war eine Pyramide zu seh´n,

ich dachte, die würden all in Ägypten und Mexiko steh´n.

Die Pyramide wurde zuerst als Friedhof genutzt,

zu späteren Zeiten wurde sie als Steinbruch benutzt.

Die Steine aus Lehm wurden nur aufeinander gelegt,

mangels Regen haben sie bis zum heutigen Tag überlebt.

 

Isabel zeigte uns noch eine Menge von ihrer Heimatstadt,

die sehr viele alte und schöne Gebäude hat.

Lima ist heute als größte peruanische Stadt bekannt,

im Mittelalter wurde sie Stadt der Könige genannt.

Verschiedene Baustile wurden miteinander vermischt,

maurisch waren die Balkone, Lima-Stil, das Rote-Wangen-Gesicht.

Den Rest der Stadtrundfahrt hab ich nur halb mitbekommen,

nach 36 Stunden fast ohne Schlaf fühlte ich mich etwas benommen.

 

Das Wetter war nicht so, wie von mir bei der Äquatornähe gedacht,

die Sonne hat nur recht selten vom Himmel gelacht.

Der Humboldtstrom ist offiziell schuld daran,

dass man die Sonne vor lauter Wolken meist nicht sehen kann.

 

Am nächsten Morgen wurden wir schon sehr früh geweckt,

gefühlt um Mitternacht bin ich aus dem Schlaf aufgeschreckt.

Nach meinem Gefühl war es noch tiefste Nacht,

als der Bus uns nach kleinem Frühstück zum Flughafen gebracht.

 

Nach Isabel´s Abschied waren wir plötzlich ganz allein,

und stiegen in ein Flugzeug nach Cuzco ein.

Dort wurde es kritisch, hab ich bei mir gedacht,

beim Essen im Indiodorf wurde uns Cocatee gebracht.

 

Wir aßen dort auch ein ganz spezielles Gericht,

Meerschweinchen auf heißem Stein, ein peruanisches Nationalgericht.

Ein Kuscheltier zu essen, das war deutlich zu seh´n,

war nicht für jeden von uns so ganz angenehm.

 

Dann ging’s nach Machu Picchu, ein Highlight in diesem Land,

das mir bisher nur von Bildern oder vom Fernsehen bekannt.

Zuerst fuhren wir mit dem Zug, und dann mit dem Bus,

es war so viel los, dass man sich überall anstellen muss.

Im Bus wurde uns allen schlaglochbedingt der Rücken eingerenkt,

wir bekamen alle umsonst eine Rückenmassage geschenkt.

 

In Machu Picchu lernten wir viel von der Inkakultur.

Wir sahen den Kondortempel und die Sonnenuhr.

Wir besichtigten Machu Picchu für mehrere Stunden,

zum Glück hatten die Spanier das früher nicht gefunden.

Ansonsten hätten die hier alles zerstört,

wie es sich für Eroberer eben immer gehört.

 

Mir wurde in Machu Picchu noch manch neues bewusst,

was ich bisher im Leben noch nicht gewusst.

Hatt‘ ich bisher geglaubt, ich besäße nur ein Haus,

so sieht es nach der Inka-Sprache jetzt ganz anders aus.

Ich besitze einen Palast und bin folglich stinkreich,

denn in der Inka-Sprache sind Haus und Palast genau gleich.

 

Am nächsten Morgen ging es erst um halb neun los,

der besuchte Indiomarkt war sehr bunt und recht groß.

Unser neuer Reiseleiter William zeigte uns dann,

was man als Tourist auf so einem Markt alles kaufen kann.

 

Wir besuchten Cuzco mitsamt Demonstration.

Mal ehrlich, welchem Urlauber gelingt das schon.

Auf der Demo hörten wir den Compañeros zu,

und lernten, wie Ihr hört, auch etwas Spanisch dazu.

 

Wir besichtigten Kathedralen, die sind exzessiv geschmückt,

für mich ist der Aufwand an Schmuck schon grenzwertig verrückt.

Wir beobachten Peruaner, die sind eher klein,

ein normaler Deutscher würde hier schon ein Riese sein.

 

Es gibt wenige private Autos auf den Strassen zu seh´n,

hier fahren fast nur Taxis, für die Umwelt ist das schön.

 

Wir verließen Cuzco und mir wurde schnell klar,

wie vorausschauend das Inka-Volk damals schon war.

Sie überlegten sich wohl, wie weit kommt ein Tourist,

bis dessen Blase an der Füllungsgrenze angekommen ist.

Genau dort bauten sie eine Sehenswürdigkeit hin,

mit einer zu bezahlenden Toilette, denn das machte Sinn.

 

So kamen wir unserem Ziel in mehreren Schritten nah,

das für heute die Stadt Puno am Titicacasee war.

 

Den Titicacasee hab ich bisher nur vom Kreuzworträtsel gekannt,

aber den gibt es tatsächlich im peruanischen Hochland.

Auf der Fahrt bekam ich das Gefühl von deutscher Gründlichkeit,

wir hatten nämlich 2 Fahrer, 400 Kilometer sind für einen Fahrer zu weit.

 

Einen Großteil der Strecke war nur Berge und trockenes Grasland zu sehn,

gelegentliche Wolken und Regen hätte man hier sicher gerne geseh´n.

 

Die Temperaturen im Land sind schon recht extrem.

Morgens sah ich manchen von uns frierend zum Bus geh´n.

In der Mittagssonne, bei vereinzelten Wolken nur,

war es angenehm warm, fast schon Badetemperatur.

 

Am Samstag sah ich, wie ich auf die Gruppe aufpassen muss.

Kaum kam ich später, saß die Gruppe schon im falschen Bus.

Der richtige Bus hatte zum Glück noch gewartet,

so sind wir mit Verzögerung zum Hafen gestartet.

 

Mit einem Boot sind wir dann zu einer Schilf-Insel gestartet,

dort haben uns die Bewohner schon singend erwartet.

Für die Inselbewohner ist es normal, auf Schilf zu steh´n,

für mich war es komisch, auf die Insel zu geh´n.

 

Vier Meter Schilf, auf dem mussten wir steh´n,

weder Holz noch Beton, noch was anderes Stabiles war zu seh`n.

40 Jahre, wurde uns gesagt, soll so eine Insel besteh`n,

dann soll sie, innerlich verfault, langsam untergeh´n.

 

Ich war froh, als ich wieder auf festem Boden stand,

auch wenn der feste Boden nur aus Bootsplanken bestand.

 

Dann ging es per Boot auf eine Insel, der Koffer blieb an Land,

wir waren alle sehr auf die Eco-Lodge gespannt.

 

Oben auf der Isla del Sol war´s richtig schön,

von oben auf den Titicacasee hinunter zu seh´n.

Der angeblich kleine Spaziergang zur Lodge war allerdings recht hart,

er hat manchen von uns an seine Leistungsgrenze gebracht.

 

Das Essen in der Lodge war super, der Sternenhimmel war toll,

kaum zu glauben, dass man bei uns genauso viele Sterne sehen soll.

Der Sonnenaufgang über dem Titicacasee gilt als sehr schön,

doch leider waren morgens zu viele Wolken am Himmel zu seh´n.

 

Ich war froh, dass die Gruppe morgens vollständig beim Frühstück ist,

und niemand bei Minusgraden und ohne Heizung erfroren ist.

 

Stattdessen forderte Montezuma seinen Tribut,

Montezuma kennt jeder, weil der nur Böses tut.

Er ist nicht beliebt, das kann man versteh´n,

denn er zwingt die Leute dazu, auf Los Baños zu geh´n.

 

Wir befahren den See, sehen uns noch manches Inka-Bauwerk an,

bevor uns der Bus abends nach La Paz bringen kann.

 

Hier geraten wir wieder in eine Demonstration,

für uns fast Routine, denn das hatten wir schon.

Wir überquerten in kleinen Gondeln die ganze Stadt,

wie man sie normalerweise nur in Skiorten hat.

 

Wir besuchten den Hexenmarkt und waren in einer Mondlandschaft,

überall hat unser Busfahrer uns sicher hin geschafft.

Am Ende des Tages waren uns in La Paz fast alle Toiletten bekannt,

aber das war eigentlich genauso wie im gesamten Land.

 

Dass es in La Paz Regeln gibt im Straßenverkehr,

hat der Reiseleiter erzählt, ich bezweifle es sehr.

Zumindest sind die Verkehrsregeln nicht allen bekannt,

ich hätte den Verkehr eher nur „pures Chaos“ genannt.

 

La Paz ist interessant, vereinzelt auch schön,

doch nach unserem Aufenthalt hier dürfte jeder versteh´n,

wenn ich sage: La Paz kann für ein paar Tage ganz reizvoll sein,

doch könnte es nie meine Wunschheimat für immer sein.

 

Es folgte in La Paz unsere letzte bolivianische Nacht,

und schon wurden wir wieder zu einem Flughafen gebracht.

Zum Glück hatte Montezuma uns nur kurz dahingerafft,

die Gruppe hat es leicht geschwächt, aber komplett zum Flughafen geschafft.

 

Es ging nach Buenos Aires, Argentiniens größter Stadt,

die viele Gebäude mit europäischen Einflüssen hat.

Auch im Straßenverkehr kann man Europas Einfluss seh´n,

bei Rot blieben Autos und auch oft Fußgänger steh´n.

 

Am Abend wird es sportlich, hab ich mir gedacht,

denn wir wurden abends zum Tango tanzen gebracht.

Doch getanzt haben die Künstler, wir haben nur zugeseh`n,

die Männer können mein ängstliches Herzklopfen sicher versteh´n.

 

Am nächsten Morgen wurden wir nach einer kurzen Nacht

mal wieder zu einem Weiterflug zum Flughafen gebracht.

Wir flogen zu den Wasserfällen am Iguazu-Fluss,

ein Ort, den man hier im Land sicher gesehen haben muss.

 

Wir sahen uns die Wasserfälle zuerst von Argentinien aus an.

Weil wir glaubten, dass man von oben noch mehr sehen kann,

stiegen wir in einen Hubschrauber und stellten fest,

dass sich der Wasserfall von oben anders, aber nicht besser sehen lässt.

 

Die Grenze nach Brasilien überquerten wir dann,

damit die Gruppe die Wasserfälle auch von Brasilien aus sehen kann.

Und schon haben wir uns wieder auf den Weg gemacht,

ein Bus hat uns, wie eigentlich ständig, zu einem Flughafen gebracht.

 

Das Flugzeug brachte uns nach Rio, Brasiliens zweitgrößter Stadt,

wo vor 3 Jahren die Olympiade stattgefunden hat.

In Rio de Janeiro gingen wir zuerst zum weltbekannten Strand,

der Name Copacabana ist seit der Olympiade wohl jedem bekannt.

 

Auf einer Stadtrundfahrt sahen wir uns Rio de Janeiro an.

Das ist eine Stadt, die einem richtig gut gefallen kann.

 

Auf dem Corcovado sahen wir uns den segnenden Jesus an,

den Berg hinauf ging es in einer Schweizer Zahnradbahn.

 

Eine runde Pyramide als Kirche habe ich bisher noch nicht geseh´n,

auch das kann man hier in Rio de Janeiro seh´n.

Gut gestärkt ging´s mittags auf den Zuckerhut rauf,

natürlich fuhren wir Weicheier diesen Berg mit der Seilbahn hinauf.

 

Von hier oben sah alles richtig klein und malerisch aus,

fast spielzeugmäßig sahen die Häuser und auch der Flughafen aus.

Bei dem kleinen Flughafen konnte man von ganz oben nicht versteh`n,

dass da richtige Flugzeuge starten, aber wir haben sie geseh´n.

Zum Schluss ging es vom Markt über den Ipanema –

das war ein malerisch verträumter Spaziergang, wie ich fand.

 

Langsam geht die Reise zu Ende, nur noch eine Nacht,

dann werden wir über São Paulo zurück nach Deutschland gebracht.

Die letzte gemeinsame Mahlzeit ist jetzt Vergangenheit,

Südamerika ist zu Ende, machen wir uns für Deutschland bereit.

Ich bin sicher, wir können am Ende alle gesteh´n:

unsere Südamerika-Reise war anstrengend, aber sehr schön.

Zum Glück ist meine nächste Reise nicht allzu fern,

denn ich bin sehr gerne Arzt, aber ich verreise auch gern. 

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