Spanien & Portugal Rundreise: Iberische Impressionen

Heinz-Georg T. war mit TOUR VITAL auf Spanien- und Portugal-Rundreise. Seinen Reisebericht verfasste er für das Radio Eilbek (Patientenfunk). Er beschreibt darin die spannende, kulturreiche Route sowie die sympathische Reiseleiterin Sabine. 

Kennen Sie den Manzanares? Mal abgesehen von Nico Dostals Operette Clivia, in der Marco Parrino dieses Stück sang? Er ist ein 92 km langer Zufluss des Tajo und fließt durch Madrid. Dort waren wir noch nie – bis ein interessantes Angebot kam. Im Heft des Arbeiter-Samariter-Bundes warb TOUR VITAL für eine Busrundreise von Madrid nach Lissabon. Nur wenige Orte kannten wir und griffen zu. Die Tour war – von kleinen Ausnahmen abgesehen – wirklich verlockend. Dazu trugen zwei Umstände bei: die interessante Reiseroute mit der hervorragenden, holländischen Reiseleiterin Sabine und das nicht erwartete Spätsommer-Wetter.

Spanien-Portugal-Rundreise: Ankunft in Madrid 

Der erste Tag unserer Rundreise von Spanien nach Portugal, nach Ankunft in der spanischen Hauptstadt Madrid, war schon ein Paukenschlag. Die Panoramarundfahrt führte von der größten spanischen Stierkampfarena Las Ventas, auf der das Wappen der Habsburger prangt, über das Fußballstadion von Real Madrid zum Königspalast und der Plaza Mayor. Eine gastronomische Besonderheit erläutert uns Sabine: Museo del Jamòn. Das hat nichts mit einer Ausstellung diverser toter Vierbeiner zu tun. Hier handelt es sich um eine urspanische Gastronomie-Kette, wo man sehr preisgünstige Schinken-, Käse- und Tapas-Spezialitäten sowie Getränke konsumieren kann, solange man sich in der Umgebung des Tresens aufhält. Draußen auf der Plaza wird es wieder teurer. Auch wissenswert: Unweit des Hauptplatzes an der Puerta del Sol befindet sich ein NULL-Kilometerstein, von dem sechs Nationalstraßen abgehen – dies ist sozusagen der Mittelpunkt Spaniens seit 1561.

Weltkulturerbe Toledo

Das war bis 1560 zwar nicht geographisch, aber politisch, geistig und geistlich noch eine Stadt, in die ein optionaler Ausflug führte: Toledo, heute Weltkulturerbe, war bis 1560 zwar weniger geographisch, umso mehr aber politisch, geistlich und geistig eine Stadt, die gut für einen Besuch geeignet war. Das gilt nach wie vor, weshalb Toledo auch ein wichtiger Stopp auf unserer Spanien-Rundreise war. Aus der mittelalterlichen Zeit blieb etwa das Stadtbild erhalten und symbolisiert auch heute noch die Koexistenz der drei monotheistischen Religionen. Davon konnten wir uns bei den Besichtigungen der Synagoge El Tránsito und der Kathedrale überzeugen. Moscheen aus maurischen Tagen werden heute allerdings nicht mehr genutzt: Sie wurden vom Katholizismus der Reconquista usurpiert. Mit der Intoleranz der Inquisition war auch die religiöse Toleranz vorbei. In der Pfarrkirche Santo Tomé sehen wir schließlich ein berühmtes Gemälde: El Grecos Begräbnis des Grafen von Orgaz.

Nach diesem Ausflug gibt es in der heutigen Kapitale unserer Spanien-Rundreise noch etwas Freizeit, die wir mit einem Besuch des Prado nutzen. Neben El Greco finden wir hier Werke von Goya, Velásquez, Dürer und vielen anderen alten Meistern. Leider reicht die Zeit nicht für weitere Sehenswürdigkeiten.

Historische Metropole Segovia

Am nächsten Tag der Spanien-Rundreise geht es weiter nach Segovia, ebenfalls Weltkulturerbe. Als Erstes beeindruckt das monumentale römische Viadukt aus dem 1. Jahrhundert mit bis zu 28 m Höhe. Danach geht es über die Plaza Mayor vorbei an der Kathedrale zum Alkazar, von dem sich traumhafte Aussichten auf das spanische Hochland aus ca. 1000 m Höhe erschließen. Den nächsten Stopp hat unsere Sabine improvisiert: die in der Provinz Burgos gelegene Stadt Aranda de Duero. Sie ist von TOUR VITAL für 2017 als Etappe mit ins Programm der Portugal-Spanien-Rundreisen aufgenommen worden. 

Die Provinz Burgos bei einer Spanien-Rundreise entdecken

In Santo Domingo de Silos besichtigen wir die Abtei mit dem ältesten, noch erhaltenen christlichen Papierbuch. Dann geht es nach Burgos. Hier hören wir vor dem Denkmal von El Cid dessen humanistische Geschichte: Er entlässt hohe gefangene Muslime in die Freiheit, die daraufhin keine christlichen Siedlungen mehr überfallen. Erste Zeichen deuten hier bereits auf den Jakobsweg, erst einmal erreichen wir aber ein weiteres Weingebiet: La Rioja. Hier besichtigen wir einen Keller mit riesigen Betonbehältern, in denen die auch bei uns bekannte Sorte gekeltert wird – eine Weinprobe ist natürlich inklusive.

Die nächste Station ist León. Der Name der Stadt hat übrigens nichts mit Löwen zu tun, sondern ist vom lateinischen Wort legio – Legion – abgeleitet. Einen Rundgang auf eigene Faust beginnen wir an der Isidor-Kathedrale. Dort ist eine angeblich aus Persien stammende Statue eines Hahnes die touristische Attraktion. Die Kathedrale Santa Maria lassen wir von außen auf uns wirken. Zur Feier eines Geburtstages wollen wir eigentlich abends im Parador essen – einer Hotelkette in überwiegend historischen Gebäuden. In León etwa handelt es sich um ein ehemaliges Kloster. Doch um 18:00 Uhr stehen wir vor geschlossenen Türen. Man öffnet erst um 20:30 – in Spanien finden Abendessen wegen der Siesta am Mittag erst sehr spät statt. Doch unsere Mägen knurren. So landen wir in einer kleinen, aber feinen Pizzeria. Später hören wir, dass die Bedienung im Parador vornehmer sei als die Kundschaft, also – nichts versäumt.

Auf Pilgerwegen bei unserer Rundreise durch Spanien

Die Weiterfahrt geht über Astorga nach Villafranca del Bierzo. Hier erhalten wir nach kurzem Anstieg vor einer Bergkapelle einen Stempel des Pilgerweges, auf dem uns unsere Route nun entlang führt. Die nächste Station ist Lugo. Hier landen wir in einer Bodega, wo Fleischspieße, Käse und natürlich Schinken serviert werden. Zu unserer Überraschung nicht in ‚Manana-Gemächlichkeit‘, sondern im Dauerlauf. Noch einmal holen wir uns einen Stempel des Camino, des Weges, der uns durch die gebirgige Landschaft ans Ziel all derer führt, die ‚dann mal weg‘ sind: Santiago de Compostela

Spanische Messe an Allerheiligen

Nach einem Rundgang haben wir Gelegenheit, an einer Messe in der Kathedrale teilzunehmen. Es ist der 1. November, also Allerheiligen. Unsere Stadtführerin verspricht uns eine außergewöhnliche Prozedur. Der Weihrauch wird in einem riesigem Behälter durch zwei Seitenschiffe wie auf einer großen Schaukel geschwenkt. Das bewerkstelligen mehrere Messdiener; ein gewaltiges Spektakel. Es hängt damit zusammen, dass Pilger im Mittelalter sich wochenlang nicht waschen konnten und Priestern wie Kirchenbesuchern der Gestank nicht zuzumuten war. 

Portugal-Rundreise: Ankunft in Porto

Über den Aussichtspunkt Vigo mit Blick auf den Atlantik ging unsere Rundreise von Spanien schließlich wieter nach Portugal, genau gesagt nach PortoEine bezaubernde Atmosphäre umfing uns hier am belebten Ufer des Douro. Doch der Unterschied zu Spanien war unverkennbar. Die hygienischen Toilettenverhältnisse am Parkplatz und das nicht zu öffnende Fenster im Hotel sind Beispiele für das unterschiedliche Niveau der beiden iberischen Länder. Nach Besichtigung einer Portweinkellerei sah die Welt aber gleich viel freundlicher aus. Auch die Brücken von Porto bei der Rundfahrt am folgenden Tag gaben pittoreske Ausblicke auf Stadt und Fluss frei.

Universitätsstadt Coimbra

Das berühmte Universitäts-Städtchen Coimbra begeisterte bei unserer Portugal-Rundreise zunächst durch ein gut besuchtes und sehenswertes Jugendstil-Café und den vielseitigen Markt, wo alles angeboten wurde – sozusagen ‚Heringe und Musikalien‘. Auf dem Uni-Gelände dieser ehemaligen zweiten Hauptstadt umschließen die Gebäude der Fakultäten einen rechteckigen Platz. Die älteste Universität Portugals bietet als Glanzstück die historische Barock-Bibliothek. Von so viel Wissenschaft geblendet gab es im Anschluss die Gelegenheit, einer Fado-Darbietung zu folgen, bevor sich der Bus am Abend auf nach Lissabon machte.

Hauptstadt Lissabon – ein Muss bei einer Portugal-Rundreise

Als Tourist fallen einem meistens zwei Dinge zu dieser geschichtsträchtigen Metropole ein: die Straßenbahnlinie Eléctrico 28 und der Elevador do Carmo. Hierhin zog es uns nach einer Stadt-Rundfahrt, denn wir hatten einer lieben Nachbarin von Zuhause versprochen, Handschuhe aus der portugiesischen Hauptstadt mitzubringen. Der winzige, nur zwei Personen fassende Laden liegt unweit des Eingangs zum Aufzug mit der Jugendstil-Konstruktion. Bei einem Espresso im Café A Brasileira schweiften unsere Gedanken plötzlich in die Historie ab: phönizische Siedlung (1000 v. Chr.), römische Kolonie, Eroberungen durch Vandalen, Westgoten, Mauren, Spanier, verheerende Erdbeben, koloniale Weltmacht, Monarchie, Diktatur, Nelkenrevolution, Stadt des EU-Grundlagenvertrages. All das hat seine Spuren hinterlassen. Die 1755 von einem Tsunami zerstörte Stadt wurde im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut. Allerdings glänzt die teils verfallene Bausubstanz durch einen morbiden Charme, der nur begrenzt zum Wohnen einlädt und zu einer Stadtflucht führte.

Dagegen boomt der Tourismus – begünstigt durch die lockere Atmosphäre und die interessanten Bauwerke, wie Brücken, Mosaike, Paläste, Kastelle, Kirchen und Klöster. Dabei sollte nicht übersehen werden, welche Opfer den Kolonien für die goldene Pracht der Altäre und Monstranzen aufgezwungen wurden. Besonders glänzt das Kloster des Hieronymus, das bei einer Portugal-Rundreise unbedingt besichtigt werden sollte. Von hier sind es nur wenige Schritte zum Turm von Belém, der die Stadt vor feindlichen Schiffen schützen sollte und das Beben 1755 überstand. Ein Stück weiter steht das Denkmal der Entdeckungen in Form eines Segelschiffes aus Beton; an der Spitze Heinrich der Seefahrer, der Portugals weltumspannende Entdeckungsreisen initiierte, wovon auch ein riesiges Mosaik mit einer Windrose Zeugnis ablegt. Heute fahren unter der 2,3 km langen Hängebrücke des 25. April, die an die Nelkenrevolution erinnert, neben Handels- auch viele Kreuzfahrtschiffe. Sie gleiten auf dem Tejo, der in Spanien Tajo heißt und vom Manzanares gespeist wird, hinaus in den Atlantik – und entfernen sich vom alten und doch so lebendigen Lissabon. Hier endete schließlich unsere traumhafte Portugal-Lissabon-Rundreise, auf der wir unglaublich viel erlebt haben.

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