Neuseeland: Eindrücke einer Begleitärztin

Unter Naturliebhabern gilt Neuseeland als eines der letzten Abenteuer-Tour-Gebiete und zeichnet sich durch seine endlosen Strände, Fjorde, Farnwälder und Geysire aus. Unsere Begleitärztin Dr. Berg war auf Rundreise durch dieses einzigartige Land und hat uns einen tollen Reisebericht geschrieben.

Leider ist der Weg nach Neuseeland sehr, sehr weit! 19 Stunden Flug und 5 Stunden Aufenthalt in Dubai. Trotz toller Verpflegung und etwas bequemeren Sitzen bei Air Emirates ist man bei der Ankunft wie durchgedreht.
Doch schon der erste Eindruck von Auckland bei der Stadtrundfahrt, die unser Fahrer und Reiseleiter Kersten gleich nach der Ankunft mit uns machte, war beeindruckend. Für mich eine der schönsten Städte der Welt.
Mit einigen Gästen ging es dann noch zum Essen in ein Restaurant direkt am Hafen. Danach fiel ich nur noch ins Bett!

Auckland und Fahrt nach Coromandel

Unsere kleine Gruppe von nur zwölf Gästen hatte sich schon im Flieger gut verstanden und so trafen wir uns alle beim Frühstücksbuffet im Hotel. Unser Bus ist

groß genug, dass jeder eine ganze Bank für sich alleine hat. Das ist sehr angenehm. Der Fahrer hat auch Getränke besorgt, sodass die Rundfahrt starten konnte. Neuseeland ist ein Traumland und jede Anstrengung dorthin zu gelangen wert. Um den ersten Tag mit einigen Schlagworten zusammen zu fassen: Wasser, Sonne, Vulkane ( erloschen!!) sicher, sauber, Urwald. Pflanzen – einfach grün.
Den Sonnenuntergang haben wir dann am Pazifik erlebt.

Coromandel

Heute konnten wir wieder einen tollen, lehrreichen Tag erleben.
Davon möchte ich hier berichten.
Hier gibt es drei Bezeichnungen für Kiwis:
1. Die Früchte, die wir alle kennen. Wie kompliziert die Anlage einer Kiwifarm ist, wissen die Wenigsten. Zunächst muss man eine fast zehn Meter hohe Schutzwand aus Bäumen wachsen lassen, die die Kiwis vor dem Wind schützen. Denn die Früchte wachsen fast wie Trauben dicht nebeneinander. Wenn der Wind sie bewegt, werden die feinen Haare abgerieben und die Früchte können nur noch zu Marmelade oder Sirup verarbeitet werden.
2. Der Vogel Kiwi, der nur in Neuseeland lebt. Er kann nicht fliegen und ist viel größer als ein Huhn. Leider ist er vom Aussterben bedroht, da er viele natürliche Feinde hat. Der Kiwi paart sich das erste Mal mit zwei Jahren und führt dann eine Lebensehe. Die Henne legt im Abstand von 14 Tagen nur 2 Eier und der Mann brütet es dann aus. Nach acht Tagen verlassen die Küken das Nest und Elternhaus und müssen sich alleine durch das Leben, sprich den Urwald, schlagen.
3. Kiwi nennt man auch die in Neuseeland geborenen Ausländer, die automatisch Neuseeländer werden.
Es gibt sogar noch eine Schuhcreme, die Kiwi heißt.
Dann sahen wir noch die riesigen Kauri Bäume, die über 1000 Jahre alt werden.
Ebenfalls konnten wir die über zehn Meter hohen Farnbäume bewundern.

Der Tag klang mit einem Bad in den Hot Springs aus. Das sind heiße Quellen im Strand. Man gräbt sich eine Kuhle, die sich mit dem heißen Wasser füllt und schafft eine Verbindung zum Pazifik, der bei Flut das heiße Wasser abkühlt.
Am liebsten wären wir alle darin liegen geblieben, doch es erwartete uns noch ein Drei-Gänge-Menü!!

Fahrt nach Rotorua

Langsam kommen wir mit der Zeitumstellung zurecht.
Gestern Abend hatten wir ein tolles gemeinsames Abendessen und konnten das erste Mal den Red Snapper  probieren. Er schmeckt super! Der Abend war toll, die Gruppe versteht sich gut und wir saßen noch lange zusammen und erzählten von unseren Leben. Da wir immer so in etwa gleich alt sind, macht es Spaß, zu hören, was die Einzelnen alles erlebt haben.
Heute ging es dann weiter nach Rotorua. Die Wolken waren heute zwar dunkelgrau und nicht mehr weiß, aber das Land und die Natur ist einfach schön.
Der Schwefelgeruch zeigte uns dann, dass wir angekommen waren. Bei der ersten Stadtrundfahrt sahen wir auch schon kleine Geysire aus dem Boden kommen und die ersten Maori Skulpturen.

Rotorua

Rotorua und die Ausflüge hier sind sicher schon alleine eine Reise wert!
Überall dampft und kocht und sprudelt es. Doch der Reihe nach: Schon früh morgens waren wir im Rainbow Valley, ein Tiergarten der besonderen Art. Die Tiere werden im Urwald in der natürlichen Umgebung gehalten mit sehr viel Platz! Besser kann es ihnen gar nicht gehen. Erste Attraktion waren riesige Forellen, dann zahlreiche Vögel und vor allen Dingen habe ich das erste Mal kleine und große lebende Kiwis gesehen. Sie können nicht mehr fliegen, müssen immer auf der Erde laufen, haben einen langen Schnabel, sind eigentlich nicht schön, aber zum Knuddeln. Die armen Weibchen müssen aber ein Ei legen, das halb so groß ist wie sie selbst! Da die Jungvögel nach einer Woche aus dem Nest geschmissen werden, sind sie vom Aussterben bedroht. Vielleicht haben die Mütter nach dem Legen des Rieseneis keine Lust mehr sie aufzupäppeln!
Wir sahen einen riesigen Jadestein und ganz zum Schluß ging es mit einer Wasserrutsche zum Ausgang zurück!

Doch der Tag hatte ja erst angefangen. Danach fuhren wir in das geothermische Gebiet. Das kann man nicht beschreiben, man muss es besuchen und selbst sehen und riechen. Selbst aus den Gullys dampft es heraus. Das Ganze ist noch geschmückt mit Skulpturen der Maori.

Im polynesischen Spa, das direkt neben unserem Hotel liegt, habe ich die heißen Schwefel- und Mineralsalzbäder mit 41 Grad genossen.

Eigentlich war ich dann redlich müde, doch noch stand ein Abendessen bei den Maori an. Es wird über den heißen Dämpfen in der Erde gekocht und mit vielen Zutaten serviert. Die Maori zeigten uns ihre Häuser, die sehr klein und niedrig aus Baumstämmen gebaut sind, damit ein Feind sich bücken muss, wenn er in das Haus eindringt und dann kann man ihm gleich den Kopf abschlagen! Sie waren schon ziemlich grausam und fraßen auch ihre Feinde auf. Sie führten für uns eine tolle Aufführung auf, sangen und tanzten und erklärten ihre Sprache. Heute wird in Neuseeland wieder in der Schule die Sprache der Maori gelehrt, da sie sonst in Vergessenheit gerät!

Wellington

Heute mussten wir leider Rotorua verlassen und es ging weiter nach Wellington. Unser Fahrer und Reiseleiter Kersten hat die lange Fahrt immer wieder unterbrochen, um uns Sehenswürdigkeiten an der Strecke zu zeigen oder viel zu erklären.
Zum Beispiel: Wenn man im Vorbeifahren „Dampf“ am Himmel sieht, kann es was sein? Erstens Wolken, die tief über dem Berg hängen, zweitens heiße Dämpfe aus der Erde oder drittens ein Bauer, der mit mit Kalk, der aufstäubt, düngt.
In Wellington machten wir noch eine Stadtrundfahrt und morgen geht es auf das Schiff zur Überfahrt auf die Südinsel nach Nelson.

Schifffahrt nach Nelson

Heute war unsre Überfahrt von Wellington nach Picton. Eigentlich ganz harmlos! Doch es war ein Zyklon angesagt, der uns genau treffen sollte. Doch wenn Engel reisen, lacht der Himmel! Er hat zwar nicht gelacht, sondern bitterlich geweint, aber wir hatten es uns viel schlimmer vorgestellt. Die Seefahrt war ruhig, trotz des starken Windes und wir kamen gut in Picton an. Unser Fahrer fuhr schnell weiter, da starker Wind bestand und er fürchtete, die Straße könnte gesperrt werden. Doch wir kamen gut an.
Dann gingen wir die berühmten grünen Muscheln essen. Wir probierten sie in allen Variationen – gegrillt, mit Käse überbacken, in verschiedenen Saucen gekocht – auf jeden Fall immer lecker und nur zu empfehlen.
Mal schauen, wie die Nacht wird und es morgen aussieht.

Nelson

Heute hatte unser Fahrer und Reiseleiter seinen freien Tag. Er darf in einer Woche nur eine bestimmte Stundenanzahl fahren und muss dann einen Tag frei machen. Da er ein Fahrtenbuch führen muss, konnten wir nichts machen.
Beim Frühstück verabredeten sich dann einige Gäste mit mir mit dem öffentlichen Bus nach Nelson zu fahren. Sollte man auf jeden Fall machen! Der Bus hält direkt vor dem Hotel und in einer halben Stunde ist man in der Stadt. Hat richtig Spaß gemacht zu bummeln und einzukaufen – die Mode ist ausgefallen und da Schlussverkauf ist, auch erschwinglich. Sonst ist Neuseeland schon teuer, sowohl essen gehen, als auch in den Geschäften. Essen kann man hier sehr gut, vor allen Dingen die Spezialität: grüne Muscheln in jeder Art.
Da der Zyklon ohne großen Schaden vorüber ist und die Sonne schien, war es ein richtig erholsamer Tag.

Franz-Josef-Gletscher

Man merkt, dass wir auf der Südinsel sind und uns den Alpen nähern. Es wird kühler und gelegentlich regnet es. Aber innerhalb kurzer Zeit kommt die Sonne wieder raus. Die Fahrt durch die Wälder ist einfach umwerfend, das kann man nicht beschreiben, das muss man sehen und fühlen!
In einem kleinen Ort – es gibt jetzt keine großen Städte mehr – besichtigen wir eine Schleiferei für Jade und sind überrascht, wie schwer diese Steine sind. Es werden meistens die alten Formen der Maori wie Anker, Messer oder Tiki hergestellt. Jede Form hat eine bestimmte Bedeutung, erfahren wir.
Vorbei an alten Goldgräbersiedlungen, wo immer noch nach Gold geschürft wird, geht es weiter Richtung Franz-Josef-Gletscher. Wir überqueren einen Gletscherfluss, der türkisgrün ist, durch die abgeschliffenen Mineralien. Die Brücke über den Fluss hat nur eine Bahn, da so wenig Verkehr ist!

Fahrt nach Queenstown

Wir hatten Glück, der Himmel riss auf und so konnten einige von uns den Flug über den Franz-Josef-Gletscher machen. Mit Landung auf dem Eis des Gletschers war das ein einmaliges Erlebnis.
Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet verlassen wir gestärkt unser schönes Hotel und weiter geht die Tour durch den schönsten und abwechslungsreichsten Nationalpark von Neuseeland. Es ist einfach malerisch, der Regenwald mit seinen hohen Farnbäumen, abgestorbenen riesigen Stämmen, dazwischen wieder Ausblicke auf den Gletscher, tief hinabstürzende Wasserfälle – es ist Natur pur!! Dann kommen wir wieder ans Meer mit hoch springenden Delphinen, vorbei an tief türkis schimmernden Gletscherseen. Man muß es gesehen haben, um meine Begeisterung zu verstehen.
Zum Glück macht Kersten, unser Führer und Fahrer, immer wieder Fotostops. Einmal sehen wir einen Zaun, der voll gehängt ist mit lauter Büstenhaltern. Irgendeine Frau hat damit angefangen und nun zieht jede vorbei kommende Frau ihren BH aus und hängt ihn dran.
Am Ende des Tages kommen wir noch durch Arrowtown, ein pittoreskes Städtchen aus der Goldgräberzeit, mit wunderschönen alten Häuschen und Geschäften.
Erschlagen von all den tollen Bildern und Eindrücken kommen wir spätabends in Queenstown in unserem Hotel an.

Queenstown

Heute hieß es früh aufstehen, denn wir hatten eine lange Fahrt von fast 600 km bis zum Milfordsund vor uns. Das ist ein Höhepunkt – wieder einmal – der Reise und Welterbe der UNESCO! Schon die Fahrt dahin ist fantastisch und lohnt die Anstrengung. Die Bilder können nur einen kleinen Eindruck wiedergeben. Man muss es selbst sehen und wird genauso begeistert sein wie wir in der Gruppe alle.
Ein paar Erkenntnisse, die wir gewonnen haben: Es gibt riesige Schafherden hier mit Hunderten von Tieren. Sowohl die Wolle als auch das Fleisch werden nach Deutschland verschifft. Ebenso gibt es viele Felder mit Rehen, die ebenfalls hier gezüchtet werden, da Deutschland der Hauptabnehmer für Rehfleisch ist.
Von den über 1000 Meter hohen Felsen stürzt das Wasser in das Meer am Milfordsund. Da das Wasser durch die Laubblätter hindurch gesickert ist, wird es bräunlich verfärbt. Da es leichter ist als das Salzwasser vom Meer, schwimmt es braun oben drauf. Erst weiter draußen wird das Meer wieder blau. Die Korallen darunter sind jedoch schwarz verfärbt.
Der Fjord ist an sich sehr tief. Da von den Gletschern die Endmoränen jedoch in den Fjord gestürzt sind, ist er in der Nähe der Küste nur 30 Meter tief.
Ich könnte noch viel erzählen, doch bucht am besten bei TOUR VITAL die Reise und erlebt es selbst.

Christchurch

Nun ist unsere Reise durch Neuseeland beinahe zu Ende. Wir sind in Christchurch angekommen. Schon die erste Erkundigungsfahrt mit dem Bus zeigt die schreckliche Zerstörung durch das Erdbeben 2011. Zwar wurde vieles bereits wieder aufgebaut, abgedeckt, abgerissen oder teils auch einfach bunt bemalt.
Schade, Christchurch war einmal die englischste Stadt in Neuseeland, jetzt stehen nur noch wenige der alten Holzhäuser. Dafür wird es aber eine sehr moderne, offene Stadt werden. Doch das dauert noch einige Zeit.
Beeindruckend ist die Pappkirche, die nach der Zerstörung der Kathedrale von einem Japaner aufgebaut wurde. Wahrscheinlich dauert es noch einige Zeit, bis die alte restauriert ist.
Wir sind drei Wochen über 3.500 km durch Neuseeland gefahren. Durch unseren Fahrer und Führer haben wir unglaublich viel über das Land, seine Geschichte, die Natur und seine Tierwelt erfahren und hatten mit der Gruppe zusammen eine wunderbare Zeit. Schade, dass es vorbei ist.

Wir danken Frau Dr. Berg für diesen ausführlichen Reisebericht!

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