Mittel- und Südamerika: Tipps eines Reisesüchtigen

Daniel (40) ist der Lateinamerika-Sucht verfallen. Seine Einstiegsdroge: Chile. Wie gut, dass er mit seinem Blog „Southtraveler“ die Welt immerhin an seiner Leidenschaft teilhaben lässt. Im Interview spricht er über die trockenste Wüste der Welt, das höchstgelegene Geysirfeld, die schönste Stadt, das beste Essen und warum auch in nächster Zeit keine Entziehungskur geplant ist.

Lateinamerika-Experte Daniel von southtraveler.de

Hallo Daniel, wie hast du deine Liebe zu Mittel- und Südamerika entdeckt?

Die entstand eher zufällig. Ich hatte damals ein Musiklabel und hörte den Track eines chilenischen Künstlers bei einem Internetradiosender. Ich kontaktierte ihn über Myspace und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Ich lud ihn zu mir ein, als er nach Europa kam und erhielt im Gegenzug eine Einladung nach Chile, meine Einstiegsdroge in Sachen Südamerika. Das war Liebe auf den ersten Blick. Die schneebedeckten Anden, die farbenfrohen Märkte, die rauchenden Vulkane und pulsierenden Städte. Dazu sind die Menschen unheimlich herzlich. Ich habe mich ziemlich schnell in Südamerika verguckt und im Laufe der letzten acht Jahre viele Länder und Orte besucht, die diese Leidenschaft weiter festigten.

Warum kehrst du immer wieder dorthin zurück?

Es ist für mich diese Vielfalt der traumhaften Landschaften, die Zentral – und Südamerika ausmachen. Von den kühlen Weiten Patagoniens über den vielfältigen Regenwald bis zu den karibischen Stränden. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Zum Beispiel kann ich in Chile morgens einen 5.000-er besteigen und abends am Meer den Sonnenuntergang bei einem Pisco Sour genießen. Es gibt auch kulturell einiges zu entdecken. Ich liebe es, die Bauwerke der Inka in Peru (Ich sage nur: Machu Picchu!), der Maya in Zentralamerika oder noch älterer Kulturen wie die der Chimu, Moche oder Tiwanaku zu erkunden – die sind wirklich atemberaubend.

Auf dem Inka-Trail in Peru (Foto: southtraveler.de)

Auf dem Inka-Trail in Peru (Foto: southtraveler.de)

Wenn ich noch nie in Lateinamerika war, wo fange ich dann am besten an, den Kontinent zu entdecken?

Absoluten Lateinamerika-Newbies würde ich in Zentralamerika Costa Rica, in Südamerika Chile oder den Süden Perus empfehlen, da diese Regionen sehr sicher sind eine gute touristische Infrastruktur besitzen. Costa Rica nennt man auch die „Schweiz Zentralamerikas“, da alles geordneter als bei den umliegenden Nachbarn abläuft. Für dieses Naturparadies mit unzähligen Nationalparks lohnt sich ein Mietwagen. Besuche auf jeden Fall die Schildkröten im Tortuguero-Nationalpark, den aktiven Vulkan Arenal und den artenreichen Nebelwald von Monteverde. Zum Entspannen und Surfen eignet sich das Örtchen Tamarindo am Pazifischen Ozean. In Chile sollte man die trockenste Wüste der Welt, die Atacama-Wüste besuchen. Hier befindet sich das höchstgelegene Geysirfeld der Welt, El Tatio. Ein Highlight ist der Sonnenuntergang im Valle de la Luna, dem „Tal des Mondes“ bei San Pedro de Atacama. Naturfreunde kommen in Patagonien voll auf ihre Kosten. Hier befindet sich einer der bekanntesten Nationalparks des Kontinents – der Torres del Paine Nationalpark mit dem legendären W-Trail. Hier kann man in drei bis fünf Tagen die Schönheit Patagoniens erkunden und sich einen der spektakulärsten Berge der Welt, den Cerro Torre, aus der Nähe anschauen. Im Süden Perus darf natürlich ein Besuch der Inka-Ruine Machu Picchu nicht fehlen. Wer körperlich fit ist, sollte Machu Picchu auf dem landschaftlich traumhaft schönen Salkantay Trek (fünf Tage) erwandern. Sehenswert ist außerdem der Titicaca-See mit den schwimmenden Inseln der Uros sowie der Colca Canyon bei Arequipa, einer der tiefsten Canyons der Erde. Hier kann man frühmorgens den Flug der Kondore bestaunen. Wer sich für die Kultur der Inka interessiert, darf deren ehemalige Hauptstadt Cusco nicht verpassen. Hier bekommt man viele Einblicke in das Leben vor Ankunft der Spanier.

Hast du ein Lieblingsland oder eine Lieblingsstadt in Lateinamerika?

Meine Lieblingsstadt ist Valparaiso. Die Küstenstadt in Chile gehört aufgrund seiner Fülle an Streetart zu den buntesten Städten Südamerikas. Auf 45 Hügeln schwebt die Stadt über dem Meer, und jeder dieser Hügel besitzt eine eigene Charakteristik sowie viel Kunst und Kultur. Besonders die Hügel Cerro Alegre und Cerro Concepcion sind wahre Schmuckstücke. Der ehemals größte Hafen Südamerikas besitzt eine reiche Vergangenheit, die durch die Engländer, Spanier, Portugiesen und Holländer geprägt wurde. Dies kann man bis heute an der Architektur sehen.

Und gibt es Gebiete, die ich nicht bereisen sollte?

Momentan sind Reisen nach Venezuela aufgrund der wirtschaftlichen Lage nicht zu empfehlen. Es kommt fast täglich zu Ausschreitungen. Generell sollte man in allen Großstädten Südamerikas Vorsicht walten lassen, besonders wenn man sich abseits der Touristenwege aufhält. Hier gilt: nachts nur mit Taxi fahren, keine Wertsachen offen tragen und den gesunden Menschenverstand walten lassen.

Was isst du am liebsten, wenn du „unten“ bist?

Meine Lieblingsküche ist definitiv die peruanische, die zurecht momentan gehypt wird. Mein Favorit ist Ceviche, roher Fisch, der in Limettensaft eingelegt und mit Chili (peruanisch Aji), Koriander und roten Zwiebeln gemischt wird. Dazu gibt es Mais und Süßkartoffeln. Sehr lecker!

Baden in Mexiko (Foto: southtraveler.de)

Badeparadies Mexiko (Foto: southtraveler.de)

Dein skurrilstes Reiseerlebnis in Mittel- oder Südamerika?

In Bolivien ist mitten in der Nacht unser Bus kaputt gegangen. Das wäre ja an und für sich nichts Tragisches, jedoch befanden wir uns auf einer engen, unbefestigten Strasse in knapp 4.000 Metern Höhe. Der Bus war in einem desolaten Zustand, und es hat an allen Ecken und Enden gezogen. Wir haben uns drei Pullover angezogen und sechs Stunden bibbernd auf Hilfe gewartet, während der Busfahrer mit Helfern versuchte, den Bus zum Laufen zu bringen. Lustig war, dass morgens noch Leute irgendwo aus den Bergen hinzukamen, einstiegen und mehr und mehr Sachen auf das Dach verfrachteten, obwohl keiner wusste, wann es weitergeht. In solchen Momenten heißt es relaxt bleiben – eine der ersten Regeln die man in Südamerika lernt.

Was sollte mir in Lateinamerika auf keinen Fall passieren?

Zu Verabredungen mit Freunden pünktlich zu erscheinen! Es gehört zum guten Ton, dem Gastgeber ein wenig Zeit zu gewähren, in der Regel bis 30 Minuten. Pünktlich zu sein ist eher unhöflich – es sei denn, es sind gute Freunde, die man bereits mit deutschen Gepflogenheiten vertraut gemacht hat. Wichtig für Männer und Frauen: geküsst wird sich zur Begrüßung und Verabschiedung, natürlich auf die Wange.

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