Mit TOUR VITAL durch das Baltikum – Reisebericht einer Begleitärztin

Die wechselnde Zugehörigkeit des Baltikums zu den Ländern Mitteleuropas und Russland bzw. der ehemaligen Sowjetunion haben es zum Kreuzungspunkt verschiedenster Einflüsse und Kulturen gemacht. Noch heute spiegeln die Stadtbilder von Vilnius, Riga und Tallinn die ereignisreiche Geschichte der drei Länder wider. In ihrem Reisebericht erzählt Begleitärztin Dr. Dagmar Berg von unbeugsamem Patriotismus, deftigem Essen und Weinen der besonderen Art.

Ich begleite nun schon seit vielen Jahren die Reisen von TOUR VITAL, dennoch ist es für mich, wie auch für meine Gäste, der erste Besuch des Baltikums. berg-der-kreuzeMit 20 Teilnehmern ist die Gruppe nicht sehr groß. Im Vorfeld habe ich bereits alle Gäste angerufen, um zu erfahren, ob sie Fragen oder gesundheitliche Probleme haben. Wie immer empfanden das alle Gäste als sehr angenehm, zumal wir von unterschiedlichsten Flughäfen in ganz Deutschland anreisen und uns erst in Vilnius treffen. Trotz unterschiedlicher Landezeiten hat der Empfang durch den Reiseleiter am Flughafen bei allen Gästen problemlos geklappt und so treffen wir uns alle am nächsten Tag zum gemeinsamen Frühstück im Hotel. Bei dieser Gelegenheit stelle ich mich nochmals persönlich bei allen Gästen vor, bevor wir voller Neugier unser Abenteuer beginnen. Diejenigen, die wie ich am Vortag bereits mittags gelandet sind, hatten die Stadt bereits auf eigene Faust erkunden können.

„Man muss nur zweimal umfallen und liegt immer neben einer Kirche“

Mein persönlicher erster Eindruck von der Hauptstadt Litauens ist sehr positiv. Tolle Geschäfte, gepflegte, renovierte Häuser, freundliche Menschen und eine saubere Stadt mit unzähligen Kirchen machen Lust auf mehr. Zunächst unternehmen wir mit dem Bus eine Stadtrundfahrt und besichtigen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Dabei erzählt uns die Reiseleiterin Regina viel über die Geschichte Litauens und vor allem über die russische Okkupation. Auch nach dem Mauerfall in Deutschland wollte Gorbatschow Litauen nicht frei geben, sondern rückte mit Panzern ein. Die patriotischen Litauer bildeten jedoch eine zwei Millionen starke Menschenkette und sorgten für die Befreiung. Dem Einsatz Deutschlands ist es zu verdanken, dass uns hier mit großer Herzlichkeit begegnet wird, auch wenn niemand Deutsch versteht oder spricht.

Mit den vielen spannenden Erklärungen vergeht der Vormittag nur zu schnell, und nach dem ersten litauischen Essen und Bier geht es weiter nach Kaunas. Wir überqueren zum ersten Mal die Memel. Nach dem Spaziergang durch die Fußgängerzone und Besichtigung der wichtigsten Gebäude sind wir heute über 10 km gelaufen. Das Abendessen in einem litauischen Restaurant hat sich die Gruppe wirklich verdient.

„Eine wunderschöne, abgeschiedene Naturlandschaft“

Heute geht es nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet weiter zur Kurischen Nehrung. Während der etwas längeren Fahrt erzählt uns Regina erneut viel über die Geschichte Litauens und die heutige, schwierige finanzielle Situation vieler Rentner. Dass die Menschen Überlebenskünstler sind und ihre Freiheit diese Sorgen vergessen lässt, passt zu dem Bild, das wir bisher von ihnen erlangen konnten. Die Erzählungen von Regina lassen die Zeit wie im Fluge vergehen und schon stehen wir an der Schiffsanlegestelle, um zur kurischen Nehrung überzusetzen. Man kann sich gut vorstellen, wie begeistert Thomas Mann war, als er hier das erste Mal war und spontan beschloss, auf der Nehrung sein berühmtes Holzhaus zu bauen. Wir besichtigen es und können einen Blick aus dem Fenster werfen, von dem aus er jeden Morgen den Sonnenaufgang bewunderte.

Anschließend geht es in ein Bernsteinmuseum, wo wir unter anderem Bernsteinschnaps probieren. Der Regenbogen über der Sanddüne, den wir vom Schiff beobachten können, bildet den Abschluss eines tollen Tages.

„Noch nie habe ich eine Stadt mit so beeindruckenden Jugendstilvillen gesehejugendstilfassadenn“

Hauptstadt von UNESCO zu sein bedeutet schon etwas ganz besonderes. Und Riga ist definitiv besonders. Es ist Sonntag, dadurch herrscht kaum Verkehr. Man kann ungestört fotografieren, über die Straßen schlendern, die Häuser bewundern und sich über die Geschichte Rigas aufklären lassen. Anschließend bummeln wir durch die Altstadt. Wie viele schöne und geschichtsträchtige Häuser hier stehen – das muss man selbst sehen. Regina lockert die Stimmung immer wieder mit Anekdoten auf: So kletterte der Baumeister des Kirchturms der St.-Petrikirche auf den Turmhahn und warf ein Sektglas hinunter, damit der Turm so lange stehen bleibe wie die Anzahl Scherben, in die das Glas zerbrach. Dieses fiel jedoch auf einen Heuwagen und blieb ganz.

Im Lido stärken wir uns bei einem typisch lettischen Mittagessen, um dann in den Markthallen echten russischen Kaviar und geräucherten Fisch zu kaufen. Den wunderschönen Tag beenden wir mit einem Kaffee und einem Napoleonteilchen.

„Man kann aus allem Wein machen“

Am Morgen verlassen wir Riga bei regnerischem Wetter. Vorher aber muss ich das erste Mal ärztlich tätig werden. Eine Teilnehmerin der Gruppe hat trotz Medikamenten sehr starke Schmerzen im Knie und möchte von Riga aus nach Deutschland fliegen. Wir organisieren ihr einen Direktflug mit Lufthansa nach Düsseldorf. Dank meiner ärztlichen Bescheinigung und einer Reisekrankenversicherung werden diese Kosten erstattet.

Da wir eine etwas längere Busfahrt vor uns haben, stört uns das schlechte Wetter nicht weiter und Regina verkürzt uns die Zeit mit Erzählungen über die Geschichte und die Menschen von Estland.  Zwischendurch machen wir für eine ausgefallene Weinprobe halt. Dabei lernen wir: Wenn Menschen keine Trauben haben, kann man aus allem Wein machen. Angefangen von Rhabarber bis hin zu Löwenzahnblüten, die von Hand gepflückt werden müssen, da nur der gelbe Teil verwendet wird. Und der Wein schmeckt nicht einmal schlecht.

In Tallinn angekommen, spazieren wir abends durch die wunderschön beleuchtete Altstadt zu einem typischen Restaurant. Das estnische Essen ist deftig, gut gewürzt und sehr lecker. Mit einer tollen Stimmung klingt der Tag hier aus.

„Jede Besatzungsmacht musste Paläste und Kirchen hinterlassen“

Den nächsten Tag starten wir mit einer Bustour durch die Stadt. Die einheimische Reiseleiterin bringt uns in humorvoller Art die Geschichte ihres Landes näher. Dauernd wechselnde Besatzungen und Unterdrückungen haben die Stadt und ihre Bewohner geprägt. Den Nachmittag können wir frei gestalten. Manche entschließen sich zu einem letzten Einkaufsbummel in der Altstadt, andere ziehen das moderne Einkaufszentrum vor.

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen: von den Gästen, mit denen ich eine schöne Zeit verbracht habe, von Regina, die uns unermüdlich ihr Wissen weitergegeben hat, und von drei neuen Ländern, die mich persönlich sehr beeindruckt haben. Eine sehr schöne Reise ist zu Ende.

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