„Salsa lernen Kubaner schon in der Schule“ – Kuba Mythos und Realität

Dietmar Fischer auf Kuba (cubanews.de)

Dietmar Fischer (47) hat sich zuerst in eine Kubanerin, dann in Kuba verliebt. Wer seinen Blog cubanews.de liest, versteht mindestens Letzteres. In unserem Interview erzählt Dietmar von seinem Lieblingsessen „Alte Wäsche“, von Salsa als Schulfach und dem richtigen Preis für einen guten Cocktail.

Woher kommt deine enge Beziehung zu Kuba?

Überraschend und unerwartet, nicht geplant und völlig zufällig – aber dafür umso intensiver. Ich war 2011 das erste Mal in Cuba, um Entrepreneurship zu unterrichten. Die Humboldt-Universität veranstaltet dort zusammen mit der Universidad de la Habana eine Sommerschule, und Entrepreneurship war in Cuba gerade das Thema der Stunde. Und wie es sich so ergab, habe ich auf der Sommerschule meine jetzige Frau kennengelernt, die an der Uni Havanna Professorin für Politische Ökonomie war. Von da an ließ mich Kuba nicht mehr los, privat wie beruflich. Nicht nur, dass ich danach regelmäßig nach Kuba gefahren bin, um meine Freundin zu besuchen, ich habe auch den Blog cubanews.de gestartet, auf dem ich seitdem wöchentlich über die schönen und die spannenden Seiten Kubas berichte.

Was fasziniert dich an dem Inselstaat?

Trinidad, Kuba (Bild: cubanews.de)

Gerade aus Sicht eines Entrepreneurs, der auf Kreativität und Improvisation im Lösen von Problemen setzt, finde ich Kuba faszinierend. Probleme werden gelöst, so gut es eben geht – und dabei kommen immer unglaublich kreative Ideen zu Tage. Trotz aller Widrigkeiten läuft auf der Insel alles. Vielleicht nicht wie geschmiert, aber doch so, dass die Kubaner den Alltag meistern können – und das (fast) immer mit einem Lächeln oder einem Lied auf den Lippen. Die kubanische Seele ist halt einfach eher für die fröhlichen Seiten offen als der grüblerische, planende „Ich kann nicht klagen“-Deutsche.

Hast du einen Lieblings-Landesteil von Kuba oder einen Lieblingsort?

Ich halte mich meist in Havanna auf, außerdem bin ich ein Stadtmensch. Neben Havanna bin ich noch ein Fan von Trinidad: Es ist immer eine Zeitreise, dort durch die Straßen zu wandeln, auf urigem Kopfsteinpflaster und vorbei an Häusern aus der Gründungszeit Kubas.

Was muss ich auf Kuba unbedingt getan oder gesehen haben, wenn ich dort in Urlaub bin?

Oldtimer, Kuba (Bild: cubanews.de)

Auf jeden Fall gehört ein Trip in einem der alten Straßenkreuzer dazu, keinem Touristencabrio, sondern in einem einfachen Taxi von der Straße, mit einem Toyotamotor und innen blanker Karosserie. Da fühlt sich die Straße gleich viel näher an, jede Bodenwelle kommt direkt durch oder führt zu einem Satz im Sitz. Für kulturell Interessierte würde ich auf jeden Fall einen Besuch im Museo de Bellas Artes empfehlen, das Museum für die kubanische Kunst. Kuba hat nämlich nie den Anschluss zur weltweiten Kunstszene verloren und einiges zu bieten. Kubanische Künstler hängen nicht nur im MoMA, sondern auch in mehreren deutschen Museen, z. B. der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Kleine Anekdote am Rande: Die Neue Nationalgalerie wurde von Mies van der Rohe übrigens für Havanna entworfen. Durch die Revolution ist sie dann in Berlin gelandet.

Hast du auch einen kulinarischen Tipp?

Meine Lieblingsgerichte sind Ropa Vieja und Picadillo. Ropa Vieja („Alte Wäsche“) ist eine Mischung aus Gulasch und Pulled Pork und sieht wirklich aus wie alte Wäsche, die schon zerfasert. Gibt es meist vom Schwein, selten in seiner eigentlichen Version vom Rind – also fast wie beim Wiener Schnitzel, das ja auch meist nur „Wiener Art“ ist. Picadillo erinnert an eine Bolognese, und ist mein absolutes Lieblingsgericht. Eingekochtes Rinderhack, mit Oliven und Rosinen, weißer Reis dazu. Sehr lecker, allerdings schwer zu bekommen. Insgesamt gibt es inzwischen einige spannende Restaurants, die sich vom kubanischen Einheitsessen abheben. Mein Tipp: schon in Deutschland die Restaurant-Websites herunterladen, mit Adresse und Telefonnummer zum Reservieren. In Kuba ist es mit dem Internet ja so ein Problem…

Kuba ist aber weniger für sein Essen und mehr für seine Cocktails bekannt: Mojito, Cuba Libre, Daiqiri, Presidente,… Welcher der beste ist? Das kommt auf euren Geschmack an, da hilft nur häufiges Testen. Wichtig ist: Ein guter Cocktail muss in Kuba nicht teuer sein, mehr als 3 – 4 CUC ist Touristennepp.

Kuba und seine Traumstrände – wo badest du am liebsten?

Playa del Este, Kuba (Bild: cubanews.de)

Ich muss sagen, dass es mich gar nicht so zu den typischen Traumstränden zieht – ich bin ja auch meist in Havanna – und da sind die Playas del Este gleich in der Nähe. Die sind hervorragend, weil schön leer, und man einfach mal schnell aus Havannas Stress in die Ruhe des karibischen Meers kommt. Klar, der Sand ist feiner in Varadero und den Cayos, dafür sind sie diese Strände aber auch viel touristischer. An den Playas del Este trifft man vor allem am Wochenende die Einheimischen, die es sich dort mit einer Flasche Rum gutgehen lassen.

Apropos Rum, Kuba ist stark mit Klischees behaftet: eine wirtschaftlich schwache, aber sonnige Insel mit Bewohnern, die ständig lächeln, Musik machen, Zigarre rauchen, Rum trinken und Oldtimer fahren. Was davon ist Mythos, was Realität?

Gerade die Oldtimer sind natürlich die Touristenattraktion schlechthin. Nichts steht so für Kuba wie ein Bild von einem pinkfarbenen 50er-Jahre-Chevrolet. Auf fast jedem Bild aus Kuba sieht man so einen. Dass es inzwischen weit mehr chinesische und europäische Autos gibt, blendet jeder Fotograf geschickt aus.

Sonst stimmen viele der Klischees: Die Bewohner sind vielleicht nicht immer fröhlich, aber doch deutlich weniger miesepetrig als die Deutschen – kein Wunder, scheint die Sonne doch 300 Tage im Jahr, das macht einfach gute Laune. Salsa lernen die Kubaner schon in der Schule, in den Pausen tanzen schon die Sechsjährigen zu Latino-Rhythmen miteinander, während Jungs in Deutschland noch „Iiiihhh, ein Mädchen!“ sagen. Rum wird auch viel getrunken, oft einfach auch, weil das Bier zu teuer ist. Nur statt Zigarren werden überwiegend Zigaretten geraucht, manchmal hat man direkt das Gefühl, es gibt im Land ein Nichtrauchverbot.

Abgesehen davon leben die Leute hier in Cuba ein Leben, in dem schon der Alltag ein Kampf ist. La Lucha (= Der Kampf) ist denn auch die Bezeichnung für das Erledigen der Alltagsbesorgungen: Wo gibt es Fleisch, wo Reis, wo Küchenschwämme, wo Ventilatoren, wo Toilettenpapier? Nur Rum und Zigaretten gehen nie aus … Der Besuch in einem kubanischen Supermarkt gibt einen guten Einblick und lohnt sich für jeden Kuba-Urlauber. Dort gibt es vielleicht 60 Produkte, die in allen Regalen stehen, damit es nicht so leer aussieht. Ebenso ein kurzer Gang über einen der Bauernmärkte gibt interessante Einsichten. Denn dort gibt es zwar viel, aber alle verkaufen das Gleiche, überwiegend eben die Früchte der Saison.

Zu den Kuba-Reisen von TOUR VITAL

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