Indien – ein Reisegedicht

Auf einer Indien Rajasthanreise in 2015 entstand aus der Feder des begleitenden Arztes Herr Dr. Heinz-Peter Emons dieses sympathische Reisegedicht.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Indien 2015

 

Indien war bisher ein fremdes Land,

den meisten von uns weitgehend unbekannt.

Die Malediven kennt man, nördlich davon,

und dann etwas rechts, das war’s auch schon.

 

Jetzt kennen wir es besser als je zuvor,

Niraj erzählte beziehungsweise trug vor,

was wichtig ist in seinem Heimatland,

das uns bisher recht unbekannt.

 

So zogen wir aus ins ferne Land.

Von den ander’n war’n mir nur die Namen bekannt.

Die Frauen überwogen mit 17 zu 10.

Für die Männer unter uns war das sehr angenehm.

 

Wir kamen aus Deutschland von Nord bis Süd, und merkten ganz schnell,

wir waren schon viel gereist und deshalb multikulturell.

Sogar die Ausländer unter uns, also die Bayern, das kann man so sagen,

die haben sich meist ganz vernünftig betragen.

 

Wir hatten ’nen eigenen Koch dabei,

‘nen Imker, ’nen Physiker und sonst allerlei.

Als aber Niraj uns alle nach dem Beruf gefragt,

wurde am häufigsten als Beruf „Rentner“ gesagt.

 

Sollte ich bisher der Meinung gewesen sein,

beim Auto könnte der Motor das wichtigste sein,

Dann ward‘ mir in Indien schon am ersten Tag klar,

dass am Auto die Hupe das wichtigste war.

 

Mehrere Maharadschahs luden uns ein,

in großen Palästen ihr Gast zu sein.

Wir schwelgten im Luxus, war es nachts auch mal kalt,

diese schönen Paläste waren halt schon recht alt.

 

Die Havelis in Mandawa waren einst wohl sehr schön,

jetzt ist davon leider nur ein Rest noch zu seh`n.

Der Weg danach ging an den Pool oder ins Bett,

keine Vorschrift durch`s Programm war auch mal ganz nett.

 

Schon früh am nächsten Morgen wurden wir dann geweckt,

fast noch im Dunkeln haben wir ausgecheckt.

Die Straßen wurden besser, ganz neu und breit.

Wir fuhren schneller und so hatten wir Zeit,

ein Fort zu besichtigen, fast 300 Kamele zu seh`n,

die konnten auf eigenem Grundstück ihre Runden dreh`n.

 

Dann kamen die Tuc-Tucs, und das war genial.

Als Arzt musst ich da mit, ich hatte keine Wahl.

Ganz oft auf der Fahrt hatte ich das Gefühl,

ich komme da nie ohne Unfall ans Ziel.

 

Doch ich hab‘s überlebt, ich hätt’s kaum gedacht,

Dann haben wir uns auf den Weg nach Jaisalmer gemacht.

Wir durchquerten die Wüste, mir hat‘s oft gegraust,

wenn ich bei der Fahrt nach vorn aus dem Fenster geschaut.

Die Autos fuhren oft auf objektiv falschen Wegen,

sie fuhren auf unserer Spur, aber kamen uns entgegen.

Doch zum Glück hat es nie so richtig gekracht,

am Schluss hat immer noch irgendeiner ’nen Schlenker gemacht.

 

Viele Städte heißen hier am Ende „pur“.

Jodhpur, Jaipur, Udaipur.

Zum Glück fehlte eine Stadt auf der Tour,

eine Stadt mit dem Namen Whiskey pur.

 

Die Straßen beherrschte das Männergeschlecht.

Ich gestehe, das war mir gar nicht so recht.

Denn indische Frauen, die gelten als schön,

doch waren sie leider nur ganz selten zu seh`n.

 

Doch muss es sie geben, wo kommen die Kinder sonst her.

Sind wir Männer auch toll, dafür braucht man sie sehr.

Ist das vielleicht anders, ich ahne es schon,

ist das vielleicht etwas mit Inkarnation?

 

Doch sah´n wir auch Frauen, zumeist auf dem Feld.

Dort durften sie arbeiten, sie sorgten fürs Geld.

Das war dann kein Schuften, das sah nur so aus,

denn die Frauen zogen morgens beschwingt aus dem Haus.

 

Bei der Fahrt durch die Wüste hab ich oft gedacht,

für das Leben in der Wüste wär ich nicht gemacht.

Viele Steine und Sand, nur ganz wenig grün,

auch von Aldi und Lidl war garnichts zu seh‘n.

 

Jaisalmer zeigte uns sein wuchtiges Fort.

Wir betraten es wie alle durch das einzige Tor.

Später hörte ich manchen nach mir fragen,

denn der Satan des Durchfalls hatte zugeschlagen.

Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht,

wurd die Toilettenspülung an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht.

 

Auf dem Weg in die Wüste teilten wir uns auf:

ein paar saßen auf den Kamelen oben drauf,

ein paar wurden in einer Liege gefahren,

ein paar durchfallgeschwächt in ihren Betten lagen.

 

Wir saßen auf dem Kamel zu zweit oben drauf,

ich wollte starten, befahl dem Tier: „Kamel lauf!“

Das Tier blieb stur stehen, ich hab schon gedacht,

werd ich von dem Kamel etwa ausgelacht?

 

Ich als Weichei hab mich auch auf’s Kamel getraut.

Ich habe dabei auf den Sanftmut der Tiere vertraut.

Gegangen ist das Tier dann, der Guide hat`s motiviert,

durch ziehen am Seil, das durch die Kamelnase geführt.

Erfahrungstechnisch, von außen betrachtet, fand ich es schön,

ich habe noch nie eine Frau vom Kamel runter kotzen geseh’n.

 

Jodhpur, die blaue Stadt, haben wir vom Fort herab geseh´n.

Niraj hatte recht, ich muss es gesteh`n.

Denn der Aufzug funktionierte, ich war echt fasziniert,

das war mir bisher bei 3 Besuchen erst einmal passiert.

 

Ein Löwe war mir bisher als Tier nur bekannt.

Auch das ist anders hier in diesem Land.

Ein Löwe ist hier, na sie wissen es schon,

auch ein Löwe ist hier eine Inkarnation.

 

Jemand, der in Deutschland ein Exhibitionist,

in Indien am besten ein Jain-Priester ist.

Ich als Weichei frier schon bei dem Gedanken daran,

dass ich nichts als Luft auf dem Leib tragen kann.

Der Gürtel aus Leder, der durfte nicht mit hinein

in den Tempel der Säulen, gebaut von den Jain.

 

Dann ging’s durch Gebirge, zum Glück lag kein Schnee.

Das heutige Ziel war Udaipur am Pichola-See.

Dort wollte ich eigentlich abends die Sonne seh`n,

aber nicht am Himmel, sondern beim Untergeh`n.

 

Geisterfahrer gab‘s auch, auf der Autobahn sogar.

Doch bereits beim ersten wurde mir deutlich klar,

das regt so richtig niemanden auf.

Das ist eben so, das nimmt man in Kauf.

 

Auch Buddha ist natürlich `ne Inkarnation.

Entschuldigt, natürlich wussten Sie es schon.

Es ist die neunte, bei der zehnten ist Schluss,

sodass er dann immer der gleiche bleiben muss.

 

Viel Demokratie gibt’s in diesem Land.

Ich hätte das oft eher Chaos genannt.

Dass Regeln herrschen im Straßenverkehr,

das kann man kaum glauben, ich bezweifle es sehr.

 

 

Man arrangiert sich immer, mehr schlecht als recht,

doch immer gilt: der stärkere hat recht.

Es sei denn, man wird geboren als Kuh,

die lässt auch der stärkste Laster in Ruh.

Ist das etwa auch, na Sie wissen es schon,

ist das etwa auch so ‘ne Inkarnation?

 

Die Kühe, muss ich sagen, die taten mir leid,

im Prinzip wie bei uns, so hoch und breit.

Doch hinten am Schwanz, ich erklär es ihnen noch,

da war wohl ein anders geformtes Loch.

Man könnte sonst ernsthaft nicht versteh`n,

wie die Knödel der Kühe, die an der Straße zu seh`n,

einer wie der andere schienen alle gleich,

rund und platt wie ein Kuchenteig.

 

Ob ein Zahn gezogen, die Blase geleert,

ob ein Brot gebacken oder gefüttert ein Pferd,

ob der Motor des Rollers in Ordnung gebracht,

alles wird hier auf der Straße gemacht.

 

Der nächste Tag führte uns nach Udaipur.

Sie wissen schon, eine der Städte mit der Endung „pur“.

Wir hofften, vielleicht wär James Bond noch da,

und bräuchte noch Teilnehmer für seine Statistenschar.

Doch wurde uns Männern schmerzhaft klar,

dass leider auch Octopussy nicht mehr dort war.

 

Rama war mir bisher nur als Butter bekannt.

Auch das ist anders hier in diesem Land.

Rama ist natürlich, na, Sie ahnen es schon,

auch Rama ist natürlich ’ne Inkarnation.

 

Dann gab es auch Slums, naja schön waren die nicht,

doch gehört auch das in dieses Gedicht.

Denn auch das ist ein Teil von diesem Land,

auch wenn ich es als sehr bedrückend empfand.

 

Der schwerste Teil der Reise kam am nächsten Ziel,

wir hatten nichts zu tun, aber davon ganz viel.

Der Tag bestand aus schlafen, lesen, in der Sonne liegen,

dazu hab ich sogar noch `ne Karte geschrieben.

 

Dann gab‘s auch  Ampeln, und ich hab`s selbst geseh`n,

zeigten die Rot, blieben paar Autos sogar steh`n.

Es ging weiter Richtung Osten, es ging nach Jaipur,

da war endlich Mc Donald`s, die gesunde amerikanische Esskultur.

 

Gekauft wurde vieles, der Koffer wiegt schwer.

Wo bekommen wir nur die Freikilos her?

Ich hab schon Bedenken, ob all uns`re Last,

in den Gepäckraum unseres Flugzeuges passt.

 

Wir aßen viel in diesem Land,

was mir bisher recht unbekannt.

Wir aßen Fleisch, Brot, Käse, Brei,

vielleicht war auch mal Kamel dabei.

 

Das mit den Toiletten, auch das war mir neu.

Muss ein Deutscher mal pieseln, dann sucht er meist scheu,

’nen Busch oder Baum am Weg, oder so,

am liebsten wär ihm ein richtiges Klo.

 

In Indien ist man da ganz unkonventionell.

Überkommt einen der Druck, dann geht man ganz schnell,

auf dem Feld in die Hocke, wo auch die anderen sind.

Da hockt dann ein jeder, Mann, Frau oder Kind.

 

Komisch war nur, trotz größtem Bemüh`n,

war da kein Hebel für die Spülung zu seh`n.

Ist das vielleicht auch, na Sie ahnen es schon,

ist das vielleicht auch so ’ne Inkarnation?

 

Dann kamen die Rikschas, was für ein Graus.

Ich sah mich im Verkehr fast schon im Krankenhaus.

Ich hatte Muskelkater bereits beim Gedanken daran,

wie ich als Fahrer zwei Deutsche hinter mir herschleppen kann.

 

Verkäufer gibt’s hier viele, das muss man wohl sagen.

Denn stiegen wir aus aus unserem Wagen,

dann strömten Verkäufer herbei in großen Scharen,

und drängten uns zum Kauf ihrer Waren.

 

Dann kamen die Tiger, es waren zwölf an der Zahl,

aber sie hingen als Poster an der Wand im Frühstückssaal.

In echt haben wir leider nicht einen geseh`n,

doch kann ich die Tiger sehr gut versteh`n.

Würd ich denn als Tiger mein Glück darin seh`n,

den ganzen Tag da im Wald rumzusteh`n,

und warten, dass jeder von mir Fotos machen kann,

und ich nicht mal einen von Euch dafür fressen kann?

 

Ich kannte Bilder eines Zuges und mir wurde schwach.

Leute hingen am Fenster, an der Tür oder saßen auf dem Dach.

Und dann sagt mir Niraj so ganz nebenbei:

Morgen sind wir auch bei so `ner Zugfahrt dabei.

 

Ich sah mich Weichei, Ihr könnt das sicher versteh`n,

ich sah mich schon wieder ins Krankenhaus geh`n.

Gedanklich habe ich es schon ganz klar vorausgeseh`n:

ich auf dem Dach, ein Tunnel kommt und um mich ist’s gescheh`n.

Doch zum Glück war die Fahrt garnicht so schlimm,

wir hatten alle einen Platz, sogar innen drin.

 

Im kalten Wagen, kurz nach Mitternacht,

wurden wir dann halb schlafend zum Bahnhof gebracht.

Ohne Wärmflasche und Mütze fror ich jämmerlich.

Die Situation war ideal für ein Weichei wie mich.

 

Im Bus Richtung Agra knackten wir jeden Rekord.

Wir fuhren stundenlang und bewegten uns nicht fort.

Wir konnten in aller Ruhe den Menschen beim Kochen zuseh`n

und die Feinheiten des exakten Würzens versteh`n.

 

Im Theater haben wir das Taj Mahal abends in klein geseh`n.

Die Geschichte war traurig und dennoch kitschig schön.

Durch den Stau half uns nur ein Verkehrspolizist.

Zum Glück unser Boy auch als solcher einsetzbar ist.

 

Der Nebel wurde dichter, Taj Mahal war nicht zu seh`n,

so mussten wir erst zum Agra Fort geh`n.

Niraj beschrieb dort Wände, bemalt mit Blumen und Tieren.

Dem Nebel geschuldet konnten wir nichts kontrollieren.

 

Dann sahen wir das Taj Mahal und es war wunderschön,

so ein Zeichen der Liebe als Bauwerk zu seh`n.

Ich mach mir Gedanken, ob ich auch mal so etwas bau,

aber erst nach 13 Kindern mit der vierten Frau.

 

Zum Schluss an die Gruppe noch ‘nen herzlichen Dank.

Es gab wenig Streit, niemand war ernsthaft krank.

Pünktlich war jeder, auch in dunkler Nacht,

wenn das Telefon uns um den Tiefschlaf gebracht.

Man saß oft zusammen, war das Programm auch vorbei,

zum Gelingen der Reise trug jeder irgendwie bei.

Ich glauben, ich kann am Ende gesteh`n:

Unsere Reise nach Rajasthan, die war wirklich schön.

In Indien ist manches hässlich, aber vieles sehr schön.

Vielleicht werd ich Indien noch ein fünftes Mal seh`n.

Die Freundlichkeit der Inder, ich find`s wunderschön,

ich hab noch nirgendwo so viele Leute mich anlächeln geseh`n.

 

 

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