Die Gesichter Indiens – ein Reisetagebuch

Im November 2016 ging es für Günther M. für eine Rundreise nach Indien. Seinen ausführlichen Bericht in Form eines Reisetagebuch hat er uns gerne zur Verfügung gestellt.

Tag 1: Die Anreise

Wir fliegen von Düsseldorf nach München und treffen dort den Rest der sehr netten Reisegruppe. Der Flug dauert ca. 8 Stunden und wir landen um 23 Uhr Ortszeit. Dann Immigration, Koffer holen und die Abholung am Flughafen vom örtlichen TOUR VITAL Partner Orient Express.

Tag 2: Erste Eindrücke in Indien

Es wird spät, bis wir im Hotel sind und leider müssen wir wieder recht früh raus. Unser Busfahrer ist gut und für indische Verhältnisse sehr vorsichtig. Außerdem gibt es noch einen Helfer, der hauptsächlich Getränke besorgt und verkauft sowie die Koffer ein und auslädt. Für unsere Gruppe von 16 Mann plus Tourguide Agni haben wir einen riesigen Bus. Jeder kann eine 2er Reihe belegen.

Eines der Highlights auf der ganzen Tour wird immer wieder Agni sein. Er ist ein wandelndes Lexikon über Indien und wirklich DER entscheidende Unterschied zu bloßem Sightseeing. Egal ob es über das Kastensystem, die Religionen in Indien, das Verhältnis zu Pakistan & Bangladesh, die „geliebten“ Engländer, Sprachen, Energieversorgung oder Tagespolitik ging – Agni hat es uns nähergebracht.

Die Fahrt nach Mandawa dauert ca. 5 Stunden für 200-250 km. Wir übernachten im Mandawa Castle und das ist ein richtig beeindruckendes Gebäude. Es war wohl früher der Wohnsitz des Fürsten und wird heute als Hotel betrieben. Wir bekommen alle tolle Zimmer und abends gibt es dann die 1. Einladung zum Apero. Danach noch ein super Abendessen und im Anschluss an das Dinner im Garten stoßen wir auf den Geburtstag eines Mitreisenden an.

Mandawa hat viele „Havelis“- Händlerhäuser, weil es früher an der Seidenstraße lag. Spätestens seit der Öffnung des Suez Kanals ist es vorbei mit der Bedeutung als Handelsplatz und die Havelis stehen meist leer und verfallen. Davon haben wir auch einige besichtigt. Ansonsten gibt es nicht so viel zu sehen in Mandawa. Indische Kleinstadt, wobei es laut Agni noch nicht mal offiziell eine Stadt ist. Und warum nicht? Es gibt kein Kino!

Tag 3: Die pinke Stadt Jaipur

Mara Schatz Palast Jaipur

Wieder früh aufstehen und wieder eine lange Busfahrt nach Jaipur, wo wir gegen Mittag ankommen. Unser Hotel in Jaipur hat den gleichen Besitzer wie das in Mandawa. Dieses hier heißt „Mandawa Haveli“ und ist auch wieder ein tolles Haus mit beeindruckenden Zimmern – alles sehr stilvoll. Kurzes Mittagessen im Hotel und dann geht es los zu einer Fahrradrikscha-Fahrt in das Zentrum von Jaipur. Ist zum Glück nicht so weit. „Zum Glück“, weil das Sicherheitsgefühl auf einer Fahrradrikscha in Jaipur nicht besonders hoch ist. Aber alles glücklich überstanden und unser Bus holt uns wieder ab. Jetzt geht es zu einer Teppichmanufaktur und danach zum Sundowner ins Nahangart-Fort mit atemberaubender Sicht über ganz Jaipur. Hoch kommen wir nur mit Jeeps und wieder ist alles perfekt organisiert von TOUR VITAL. Oben gibt es dann an diesem sehr stilvollen Ort für alle Kingfisher Bier und Old Monk Rum. Incredible India!

Tag 4: Amber Fort & Jaipur City Palace

Heute haben wir die Besichtigung von Amber Fort und anschließend den Jaipur City Palace auf dem Programm. Beides ist wieder sehr beeindruckend und gibt uns einen kleinen Eindruck über den Reichtum der früheren indischen Herrscher. Amber Fort bietet viel Touristisches wie z.B. einen Ritt auf Elefanten hoch zum Amber Fort, was wir natürlich nicht gemacht haben. Für Europäer schwer erträglich sind die ganzen fliegenden Händler. Meine Strategie ist immer durch sie hindurchzuschauen und überhaupt nicht zu reagieren, egal was passiert. Nicht ganz fein, aber Anhalten und Blickkontaktsuche führen dazu, dass man die Jungs gar nicht mehr los wird.
Wir sind relativ früh am Hotel zurück und können noch ein wenig ausruhen, bevor das Abendprogramm losgeht.

Tag 5: Tigersafari im Ranthambhore Nationalpark

Wieder ein früher Start ab Jaipur und diesmal geht es in den Ranthambhore Nationalpark. Auf dem Weg dorthin zeigt uns Agni noch ein weiteres kleines indisches Highlight, quasi ein Pferdekarren mit 1 Zylinder Dieselmotor und Lenkrad. Wird so immer noch produziert und braucht keine Zulassung. Das Gefährt wird – typisch indisch – reich verziert von seinen Besitzern. Genau wie die LKWs. Und ich wette es, hat eine Hupe, denn ohne geht wirklich nichts in Indien.

Das Hotel ist schön gelegen, die Zimmer sind groß, sauber & basic, die Klimaanlage macht einen Höllenlärm, aber alles ist wirklich sehr charmant. Nachmittags geht es auf Tigersafari und vormittags wurde – so die Gerüchte – sogar einer gesehen. Es sind ca. 50 Tiger im Park, aber die hatten nachmittags wohl eine Mitarbeiterversammlung oder ein Gewerkschaftstreffen. Dafür läuft uns genau am Parkausgang ein Leopard über den Weg. Zwar nur ganz kurz, dafür aber ganz nah.

Tag 6: Zugfahrt nach Bharatpur & Taj Mahal

Taj Mahal in Agra

In Agra werden wir den Höhepunkt der Reise erleben – den Taj Mahal. Aber erst mal ist der Weg das Ziel. Die Zugfahrt von Sawai Madhopur nach Bharatpur ist schon ein besonderes Erlebnis, auch wenn wir in der privilegierten Klasse reisen. Viel Platz, prima Sitze, recht sauber und dann kommt natürlich der indische Touch zu dem Transporterlebnis. Alle 5 Minuten läuft ein anderer Boy durch den Zug und preist seine Waren an: „Coffee, tea, cold drinks!“ gefolgt von „Cookies, chips, snacks!“ dann irgendwas an indischem Fast Food usw.

Die Bahnhöfe sind ebenfalls ein Highlight. In Sawai Madhopur haben wir am Bahnsteig eine Kuh und einen Affen in trauter Zweisamkeit gehabt. Der größere Bahnhof in Bharatpur, kurz vor Agra, ist dann gut für Sozialstudien. Das Konzept Reisende erst aus dem Zug rauszulassen bevor man einsteigt, ist definitiv nicht in Indien erfunden worden. Gereizte Stimmung, blankliegende Nerven, totale Blockade. Bei uns ging´s, aber die Holzklasse Züge zeigen schon mal kriegsähnliche Zustände. Der Schaffner gibt es auch nicht und die Züge fahren einfach irgendwann los, egal ob Menschen noch gerade halb drinnen oder draußen sind. Man springt auch gerne noch auf einen fahrenden Zug auf. Aber irgendwie regelt sich am Ende dann doch wieder alles.

Die letzten Kilometer bis zum Hotel geht es dann im Bus weiter. Das Hotel in Agra ist neu und nicht so stilvoll, aber halt eine edle 4-Sterne-Klasse. Nachmittags ist es dann soweit und es geht zum Taj Mahal. Das ist einfach nur wunderschön und jede Beschreibung bzw. jedes Foto wird den Eindrücken bei weitem nicht gerecht.

Tag 7: Agra Fort & Besichtigung einer Werkstatt

Zweiter Tag in Agra und wirklich gemein für das Programm des Tages – was kann schon den Taj Mahal toppen? Vormittags geht es zum Agra Fort und es ist ebenfalls sehr sehr schön. Das ist ein ehemaliger Regierungssitz des Mannes, der den Taj als Grabmal für seine Lieblingsfrau hat bauen lassen.

Der Tag ist etwas ruhiger – nach Agra Fort kommt noch die Besichtigung einer Werkstatt,  die Intarsien wie zu den Zeiten der Taj Erbauung fertigen. Im Anschluss nehmen wir unser Mittagessen im Hotel ein. Nachmittags noch die Besichtigung des „Baby Taj“ – einer kleinen und weniger prunkvollen Vorlage für das eigentliche Taj. Den Abend genießen wir beim Sonnenuntergang auf der anderen Flussseite mit Blick auf den Taj Mahal.

Abends packen wir unsere Sachen zusammen. Für die meisten ist morgen der Rückreisetag, wir fliegen weiter nach Goa.

Tag 8: Busfahrt nach Delhi & Weiterflug nach Goa

Strand und Palmen auf Goa

Die Busfahrt bis Delhi überstehen alle gut, trotz des hohen Krankenstands – da war wohl etwas im Essen. In Delhi besuchen wir noch das „Project Why“, ein Charity Projekt, das Kindern eine bessere Chance auf Schule und Bildung gibt und vor allem Mädchen dabei unterstützt, eine Ausbildung oder einen Beruf und somit Unabhängigkeit zu bekommen. Wieder ein Highlight der Reise. Darüber zu lesen ist eine Sache, aber es selber zu sehen relativiert mal wieder die Prioritäten in unserer Wohlstandsgesellschaft. TOUR VITAL sponsert Project Why mit 5 € pro verkaufte Reise und Person.

Eigentlich war noch mehr in Delhi geplant, zum Beispiel ein Besuch des Gandhi Mausoleums, aber wir machen lieber langsam heute.

Recht bald nehmen wir auch schon Abschied vom Rest der Gruppe und weiter geht es nach Goa. Der Flug ist pünktlich, die Abholung vom Flughafen funktioniert reibungslos. Erster Eindruck von Goa: die Straßen sind deutlich besser, weniger Verkehr und es ist viel weniger Dreck zu sehen.

Tag 9-13: Zur Ruhe kommen in Goa

Entschleunigen in Goa. Das Hotel „Zuri White Sands“ ist sehr gut. Tolle Zimmer, freundlicher Service, super Essen, sehr gute Massagen, ein kleiner Gym, weißer Strand nur fürs Hotel, angenehmes tropisches Klima. Was will man mehr? Kein dauerndes Kofferpacken und Weiterreisen von Hotel zu Hotel, aber halt auch keine weiteren beeindruckenden Erlebnisse mehr. Hätte für meinen Geschmack also durchaus auch 1-2 Tage kürzer sein können, aber dann ist der Aufwand für die An- und Abreise natürlich relativ hoch.

Der einzige Ausflug, den wir machen, geht nach Colva Beach und außer eines schlechteren Strandes als bei uns am Hotel und tausend Verkaufsbuden gibt es da nichts Besonderes. Vielleicht die Bestätigung, dass Goa immer noch ein wenig Hippie-Reiseziel ist. Und ich mache die Erfahrung, dass man in Indien aufpassen muss wo man hintritt, wenn man nicht mitten in einem Kuhfladen landen will… Die Händler mögen uns sehr gerne und beim Rückflug müssen wir für 4kg Extragepäck ganze 6 € nachbezahlen.

Der Rückflug ist problemlos, aber insgesamt brauchen wir doch 20 h von der Abfahrt bis zur Ankunft zu Hause.

Mein Indien-Resümee

Hier also mein Resümee: Indien war super, jederzeit wieder. Rundreise und Kultur ist aber ein Muss! So eine Rundreise ist allerdings wirklich anstrengend und ein paar Tage danach zum Seele baumeln lassen und Verarbeiten der ganzen Eindrücke kann man sich durchaus gönnen.

 

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