Spanien & Portugal – ärztlich begleitete Reisen

Wolfgang Stelljes hat im Herbst 2016 auf unserer Spanien & Portugal Rundreise die Iberische Halbinsel kennengelernt. In folgendem Artikel schildert er uns, wie er diese Reise mit Arzt erlebt hat.

Meist führen sie nach Asien oder Südamerika – ärztlich begleitete Reisen. Aber auch bei Touren durch Europa sorgen Mediziner für ein Gefühl der Sicherheit, zum Beispiel bei einer Rundreise durch Spanien und Portugal.

Camino De SantiagoEin Hotel im nordspanischen Leon, 3. Stock, Zimmer 317: Dr. Elisabeth Drerup misst meinen Blutdruck. Er ist ein bisschen zu hoch, wenn auch nicht dramatisch – die Ärztin empfiehlt bei nächster Gelegenheit den Besuch des Hausarztes. In ihren Medikamentenkoffer braucht sie nicht zu greifen. Für den Fall der Fälle hätte sie sogar eine Liste mit Telefonnummern von Krankenhäusern dabei.

Drerup begleitet eine Rundreise durch den Norden der Iberischen Halbinsel. Sie ist eine von rund 400 Ärzten, die der Marktführer für solche Reisen TOUR VITAL unter Vertrag hat. Acht- oder neunmal war die Allgemeinmedizinerin aus Münster bereits mit TOUR VITAL unterwegs. Die Höhenkrankheit in Ecuador, das vergessene Insulin auf den Galapagos-Inseln, der Biss eines tollwütigen Erdhörnchens in Indien, die ganzen Magen-Darm-Geschichten – Elisabeth Drerup könnte viel erzählen. Aber das ist nicht ihre Art.

Weinkeller-Besuch unter ärztlicher Aufsicht

Ganz am Anfang, auf der Busfahrt zum Hotel in Madrid, versorgt sie uns mit elementaren Tipps: Ganz viel trinken. Eincremen. Kopfbedeckung tragen. Richtige Gefahren drohen auf dieser Reise nicht, weder Montezumas Rache noch ein Höhenkoller. Das größte Risiko: ein Kater nach erhöhtem Alkoholkonsum. Oder man stößt sich den Kopf im Weinkeller. Immerhin durchqueren wir mehrere bekannte Weinanbaugebiete. Vor der Reise hatte ich Bekannten erzählt, ich würde, begleitet von einer Ärztin, durch die Bodegas ziehen. Ein Scherz. Aber mit einem Quäntchen Wahrheit.

Dass ein Bier an der Theke des „Museo del Jambon“ nur 50 Cent kostet, registriert die Reisegesellschaft tatsächlich mit erhöhter Aufmerksamkeit. Was sich nach Kulturstätte anhört, ist eine Art spanischer Pub. Oder besser: eine Kette von Pubs. Schinken gibt es dort übrigens auch. Der Tipp kommt von Sabine Bossaers, unserer Reiseleiterin mit niederländischen Wurzeln. Was man sonst noch in der spanischen Hauptstadt unbedingt gesehen haben sollte, lernen wir bei einer Busfahrt kennen, darunter die Heiligtümer für Sportfans: die Stierkampfarena und das Bernabéu-Stadion.stepmap-karte-mad04-spanien-portugal-1652836

Zu Besuch bei den Chart-Stürmern

Von Madrid geht es in den Norden, ins historische Kastilien, dann auf dem Jakobsweg westwärts und ab Santiago de Compostela wieder gen Süden, bis Lissabon. Das heißt zugleich: Weltkulturerbe wie an einer Perlenkette! Zum Beispiel die Altstadt von Segovia mit ihrem römischen Aquädukt. Oder das Kloster in Santo Domingo de Silos, bekannt wegen seines romanischen Kreuzganges, aber wohl mehr noch wegen einer CD mit gregorianischen Gesängen, mit denen die Mönche vor Jahren die Charts stürmten. Oder die Kathedralen in Burgos und Leon, die eine mit einem für katholische Gotteshäuser seltenen Prunk, die andere ein Gebirge aus Stein und Licht dank der vielen Buntglasfenster. Beide liegen direkt am Jakobsweg, die Muscheln im Straßenpflaster und am Rucksack vieler Wanderer verraten es.

Die Ärztin ist stets in unserer Nähe. Und auch sie hat immer einen Rucksack dabei, mit Verbandsmaterial und Notfallmedikamenten. Mal plagen Ischias oder Arthrose, dann wieder wird eine Mitreisende von einer Wespe gestochen. Mehr aber auch nicht. Eine entspannte Reise, für alle.

Die bestgefüllte Kathedrale der Welt

Santiago de Compostela  – wie soll man diesen Ort nur fassen? Allein diePlaza del Obradoiro y Catedral. Santiago de Compostela. La Coru?a. Kathedrale, „die einzige der Welt, die jeden Tag voll ist“, sagt Reiseleiterin Sabine, Ziel von über 200.000 Pilgern pro Jahr. Also sichern wir uns rechtzeitig einen Sitzplatz. Nur der berühmte Weihrauchkessel schwingt nicht, leider. Vielleicht, weil keine Japaner da sind, die das Spektakel bezahlen. Dann – sowie an hohen Feiertagen – bringen acht kräftige Männer das 53 Kilo schwere Gefäß so richtig in Schwung.

Und weil auch Portugal jede Menge Welterbe aufzuweisen hat, haben wir nach dem Besuch von Porto, Coimbra und Lissabon das Dutzend voll. Die  letzte von der UNESCO geadelte Station ist das Hieronymus-Kloster in der portugiesischen Hauptstadt.

Wine barrelsAch ja, die Bodegas. Die haben wir natürlich auch besichtigt. Zum Beispiel in Aranda de Duero, seit Jahrhunderten das Zentrum einer Weinbauregion. Oder in Leon: Hier tobt das schiere Leben im langen Schatten der Kathedrale, im „feuchten Viertel“. Und auch in Porto hätten wir noch einmal so richtig zuschlagen können, im Keller eines Portwein-Produzenten. Aber wir bleiben standhaft und nippen nur mal kurz an den Proben. Ist ohnehin nicht gut, dieser Alkohol, bei leicht erhöhtem Blutdruck.

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